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Gap Year

Startschuss

Wenn die Temperaturen steigen, heißt es für alle angehende Studierenden: sich informieren, Formulare ausfüllen und Abiturzeugnisse beglaubigen lassen. Denn ab dem ersten Juni begann an vielen deutschen Hochschulen die Bewerbungsphase für das Wintersemester 2019. In diesem Jahr bin auch ich unter den Bewerbern – und zwar möchte ich einen Studienplatz für das Fach „Politikwissenschaften“ ergattern. Da nahezu alle Hochschulen nun die Bewerbung online entgegennehmen, ist so ein Antrag nicht schwer. Aber lasst es auch nicht zu entspannt angehen, denn der 15. Juli ist der Stichtag für alle Bewerbungen. Bis dahin müssen Abiturzeugnisse und alle sonstigen Dokumente bei den Unis eingegangen sein – zumindest falls euer favorisierter Studiengang zulassungsbeschränkt ist. Sollet ihr euch im Dschungel der unzähligen Studienfächer noch nicht ganz so zurechtfinden, habe ich einen Tipp für euch: Meldet auch auf der Seite „hochschulstart.de“ an. Dieses Portal ist nicht nur essential für jede Bewerbung, sondern hilft euch, auch einen Überblick über Studiengänge und Bewerbungsfristen zu bekommen. Ich laufe so langsam richtig warm und freue mich auf den neuen Lebensabschnitt, der bald beginnt. Außerdem kann ich dann endlich diese lästige und mir täglich gestellte Frage, wann und wo mein Studium beginnt, mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten.

Gap Year

Tere!

„Tere! Kuidas läheb?“, das war Estnisch und bedeutet: „Hallo! Wie geht es dir?“ Wieso erzähle ich euch das? Nun, ich versuche seit zwei Monaten Estnisch zu lernen. Darüber sind viele Menschen in meinem Umfeld im ersten Moment erstaunt, manchen muss ich auch erst erklären, wo genau Estland liegt. Doch die Frage ist tatsächlich berechtigt, wieso lerne ich eine Sprache, die weltweit von nur 1,3 Millionen Menschen gesprochen wird? Dazu muss ich etwas weiter ausholen: Estland hat auf mich schon als Kind eine unfassbare Faszination ausgeübt. Egal ob Bilder des Landes im Internet, die Beiträge beim Eurovision Song Contest oder Reiseführer, die ich mir nur zum Anschauen gekauft hatte – ich war irgendwie verzaubert von dem kleinen baltischen Land. Meine Mutter und meine Schwestern erzählen noch bis heute auf Familienfeiern, wie ich mit neun Jahren einmal einen Zoo in Estland angerufen habe, nur um die Sprache zu hören. Über die Jahre ist meine Estland-Obsession etwas zurückgegangen, doch im vergangenen Jahr buchte ich einfach einen Flug nach Tallinn und verbrachte in der estnischen Hauptstadt vier Tage. Sofort wurde ich von der mittelalterlichen Altstadt und der wunderschönen Natur eingenommen. Mir war klar, ich muss hier nochmal hin, also verbringe ich im August eine Woche in Estland und fahre auch auf die größte Insel des Landes „Saaremaa“. Um dort ein bisschen besser mit den Einheimischen in Kontakt kommen zu können und auch ein kleinwenig, weil es im Lebenslauf cool aussieht, lerne ich im Selbststudium Estnisch. Leider ist die Sprache grammatikalisch sehr anspruchsvoll. Sie ist übrigens mit der ungarischen und der finnischen Sprache verwandt und sieht für deutsche Augen manchmal sehr witzig aus, „kuulilennuteetunneliluuk“ ist beispielweise ein bekannter estnischer Zungenbrecher. Dieses Wort beschreibt, die Luke, aus der eine Kugel herausfliegt, wenn sie einen Tunnel verlässt. Auch ist es nicht unüblich, wenn mehrere Umlaute auf einander folgen wie in „rääkima“ (sprechen) oder „kuu üür“ (Monatsmiete). Perfekt beherrschen werde ich die Sprache im August also nicht. Davon lasse ich mich aber nicht entmutigen und lerne fleißig weiter Vokabel wie „öö“ (Nacht), „küsimus“ (Frage), oder „Terviseks“ (Prost).

Gap Year

12 Points!

Ihr glaubt nicht, wie sehr ich mich auf die dritte Mai-Woche gefreut habe! Ich habe schon Monate vorher Urlaub eingereicht und die Woche genau geplant – und das alles nur wegen des Eurovision Song Contests. Wahrscheinlich fragt ihr euch jetzt, weshalb ich mir für diese komische Veranstaltung eine ganze Woche freinehme: Ganz einfach, ich liebe diesen Contest. Viele in Deutschland wissen nicht, dass der Eurovision Song Contest mehr als nur eine Samstagabendsendung ist. Am Dienstag und am Donnerstag davor laufen nämlich noch die zwei Halbfinale, die darüber entscheiden, wer ins Finale kommt. Als ESC-Fan darf ich diese Shows natürlich nicht verpassen! Zusammen mit einer Freundin staunte ich über den großartigen Sänger aus den Niederlanden, den skurril anmutenden Engelsauftritt aus Kroatien, wir tanzten zum farbenfrohen Beitrag aus Tschechien und stritten uns über den Stil der Band aus Island. Am Ende wurde es dann richtig spannend, als die zehn Finalisten bekannt gegeben wurden und man zittern musste, ob es der persönliche Favorit ins Finale geschafft hat.
Das Finale fand schließlich am Samstag statt und ich war unfassbar aufgeregt. Erneut schaute ich das Finale mit einer Freundin. Wir waren beide mit einer Punktetafel bewaffnet, auf der wir alle 26 Beiträge bewerteten. Die beiden Sängerinnen aus Deutschland waren unter den ersten Auftritten und so süß wie wir die beiden auch fanden, so chancenlos sahen wir sie doch auch. Leider hatten wir am Ende recht, denn die „Sisters“ kamen nur auf den vorletzten Platz. Doch viel spannender war der Kampf um den ersten Platz, der zwischen Italien, den Niederlanden und Schweden ausgetragen wurde. Wir fanden alle drei Beiträge sehr gut, drückten aber den Niederlanden einen Tick mehr die Daumen, die schließlich auch mit 26 Punkten Vorsprung gewannen. Für mich war das eine großartige Woche! Und gerade überlege ich, ob ich im nächsten Jahr mal einen Abstecher zu unseren Nachbarn nach Amsterdam machen sollte. Ich freue mich auf jeden Fall schon jetzt auf den Eurovision Song Contest 2020.

Autor: Noah   |  Rubrik: orientieren  |  Jun 7, 2019
Autor: Noah
Rubrik: orientieren
Jun 7, 2019