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Ingenieurwesen? Ja, bitte!

Proteststimmung

Der letzte Stopp meiner Reise durch Südamerika war Santiago de Chile. Mit meinem Freund verbrachte ich dort zwei spannende Tage.
Wir kamen morgens etwas gerädert an, nachdem wir mit einem Nachtbus von Argentinien aus über die Grenze gefahren waren. Wir starteten unseren Besuch mit einer Free Walking Tour, um uns einen ersten Überblick und ein Gefühl für die Stadt zu verschaffen. Die Tour erwies sich als hervorragende Idee, da Chile seit längerem von Protesten erschüttert wird. Unser Tourguide versuchte unserer Gruppe daher verständlich zu machen, mit welchen Problemen das Land aktuell zu kämpfen hat und aus welchem Grund die Bevölkerung so ausdauernd auf die Straße geht. Denn obwohl sich Chile in den letzten 100 Jahren wirtschaftlich gut entwickelt hat, herrscht große soziale Ungleichheit. Einen eindrucksvollen Einblick in die Proteste bekamen wir am zweiten Tag. Auf einer Kreuzung standen einige gepanzerte Polizeifahrzeuge, während der Verkehr unbeeindruckt an ihnen vorbeifuhr. In einiger Entfernung stand eine Gruppe vermummter Demonstranten, die die Polizeifahrzeuge mit Steinen bewarfen. Die Polizei antwortete darauf von Zeit zu Zeit mit einem Wasserwerfer. Auf einem Grünstreifen hinter den Demonstranten lagen Einheimische im Gras, die das Treiben zwar genau beobachteten, sich allerdings nicht so weit beunruhigen ließen, dass sie ihre liegende Position aufgaben. Also wir an der Szene vorbeigingen, bogen wir in eine Straße ab, in der die allgegenwärtigen politischen Graffiti-Botschaften noch dichter wurden und die Gebäude noch deutlicher von den Protesten gezeichnet waren als in den Teilen der Stadt, die wir bisher kannten. Nur eine Straßenecke weiter kamen uns weitere Polizeifahrzeuge entgegen, während auf der anderen Straßenseite eine kleine Kirchengemeinde einen Gottesdienst unter freiem Himmel abhielt. Die Situation wirkte auf mich so surreal: Fröhlich Betende vor dieser Kulisse, entspannt im Gras liegende Menschen und ein paar Meter weiter eine Demonstration ist einfach eine bizarre Mischung.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Mar 20, 2020
Autor: Katha
Rubrik: studium
Mar 20, 2020

Ingenieurwesen? Ja, bitte!

Der weite Weg zum WLAN

Auf unserer Reise durch Argentinien nahmen wir uns mindestens einen Tag pro Woche, um Dinge zu erledigen, von denen wir keine zwei Monate Urlaub nehmen können. Bei mir ist es die Klausurvorbereitung, bei meinem Freund seine reduzierte Arbeitsstelle. Dazu kommen einige Ehrenämter, die wir über Skype einfach weiterführen. Dabei kostet es uns regelmäßig Nerven, eine stabile Internetquelle ausfindig zu machen. Gerade im weiten, wilden Patagonien gibt es Städte, in denen wir den ganzen Vormittag Cafés und Unterkünfte abklappern mussten, um ein arbeitsfähiges WLAN ausfindig zu machen. Abgesehen von dieser Komplikation bin ich aber sehr überzeugt von diesem Format. Es gibt mir die Freiheit, die Welt zu bereisen, ohne mich völlig aus allem rausnehmen zu müssen. Für diese Freiheit braucht es sicherlich eine gewisse Flexibilität: Denn unsere Reiseroute wollen wir davon nicht einschränken lassen. Das heißt, wir arbeiten dort, wo wir gerade sind. Egal, ob Hostel, Appartement oder Campingplatz. Wenn dort kein Internet zu finden ist, suchen wir eben welches.
Ähnlich schwierig entpuppt sich oftmals die Suche nach einer Bargeldquelle. Um die extreme Inflation und die wirtschaftliche Unsicherheit in den Griff zu kriegen, gelten in Argentinien einige ungewöhnliche Gesetze, die sich in kuriosen Situationen äußern: Am Geldautomaten bekommt man pro Tag und pro Kreditkarte umgerechnet nur ca. 30 €, davon geht allerdings noch die Auszahlungsgebühr von etwa 10 € ab. Die resultierenden 20 € bekommt man aber auch nur, wenn man einen Geldautomaten findet, der die Kreditkarte akzeptiert und außerdem noch Geld hat, welches er ausgeben kann. Viele Argentinier legen ihr Erspartes lieber in der stabileren Währung Dollar an. Da gesetzlich gedeckelt ist, wie viel Geld man legal tauschen darf, floriert das Tauschgeschäft am Schwarzmarkt. Zusätzlich kompliziert ist die Zahlung mit Karte. Selbst bei Kleinstbeträgen im Supermarkt muss bei der Zahlung die Pass-ID des Karteninhabers angegeben werden. Innerhalb der Europäischen Union ist bezahlen so unkompliziert, dass uns diese Regulierung völlig fremd war. Inzwischen haben wir uns aber daran gewöhnt und damit abgefunden, dass Geld zu holen auch mal eine halbe Stunde oder mehr dauern kann.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Mar 10, 2020
Autor: Katha
Rubrik: studium
Mar 10, 2020

Ingenieurwesen? Ja, bitte!

Fernbuskomfort

Die Zeit seit meinem Bachelorabschluss habe ich bisher fast ausschließlich zum Reisen genutzt. Nachdem ich aus meinem Urlaub in Hong Kong und Vietnam wieder zurück in Deutschland war, begab ich mich kurze Zeit später auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung: nach Südamerika. Buenos Aires war der Ausgangspunkt meiner Reise durch Argentinien. Von dort aus wollte ich mit meinem Freund entlang der Atlantikküste gen Süden nach Patagonien reisen, um am südlichsten Punkt in Ushuaia kehrt zu machen und an der chilenischen Grenze den Rückweg in den Norden anzutreten. In Buenos Aires hatten wir mit diesem Vorhaben eine Strecke von etwa 7.500 Kilometer vor uns. Den größten Teil dieser Kilometer verbrachten wir bisher in überraschend komfortablen Fernbusen. Das Fernbussystem in Argentinien ist hervorragend ausgebaut und die Busse sind durch den großen Sitzabstand und die weit umklappbaren Sitze so gemütlich, dass selbst Fahrten über 20 Stunden schon fast eine willkommene Pause zum Entspannen und Nichtstun sind. Zwar schaue ich auf solchen Fahrten fast immer die Aufnahmen meiner Vorlesung „Einbindung regenerativer Energiesysteme“, um mich auf die Klausur in dem Fach vorzubereiten. Pünktlich nach zwei Vorlesungen gibt aber normalerweise der Akku meines Laptops auf, sodass ich ohne schlechtes Gewissen lesen, Musik hören, schlafen oder andere unproduktive Dinge tun kann. Meistens gehe ich dann dazu über, ein Hörbuch zu hören und mir die vorbeifliegende Landschaft anzugucken. Auf 20 Stunden Fahrt sollte man meinen, dass man ab und zu etwas Interessantes sieht. Durch intensives Aus-dem-Fenster-gucken habe ich inzwischen aber festgestellt, dass Patagonien nicht nur aus gewaltigen Bergen und glasklaren Seen besteht, sondern vor allem aus stinklangweiliger Steppe: weites, flaches Land, das von Staub und flachen Büschen bedeckt ist. Immerhin laufen regelmäßig ein paar Guanakos (die hiesigen Lamas) durch das Bild. Seltener gibt es auch einen Strauß oder einen Flamingo zu sehen. Dieses Bild änderte sich bei der Ankunft aber meist schlagartig. Denn die wenigen Städte Patagoniens haben eins gemeinsam: ihre atemberaubend schöne Kulisse.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Feb 25, 2020
Autor: Katha
Rubrik: studium
Feb 25, 2020