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Ingenieurwesen? Ja, bitte!

Frauenklischees & Krippenplätze

Autor:
Elke

Rubrik:
studium

27.01.2010

Diese Woche hatte ich mein erstes Vorstellungsgespräch. Nachdem ich am Abend des Vortages – auf der Suche nach einem seriösen Outfit – gezwungen war, meinen gesamten Kleiderschrank aus- und anschließend wieder einzuräumen, startete ich eine Telefonkonferenz mit meiner Schwester, einer in Sachen Vorstellungsgespräche fachkundigen Person. Nachdem ich einige wertvolle psychologische Tipps in mich aufgesogen hatte, fühlte ich mich gut vorbereitet und war überhaupt nicht aufgeregt. Auch am nächsten Tag nicht. Entspannt fuhr ich nach Berlin und war, trotz schlechtem Wetter und nicht gerade einwandfreien Straßenverhältnissen, überpünktlich am Ziel.

Nachdem ich mich zum Konferenzzimmer durchgefragt hatte, wartete ich noch einige Minuten und wurde dann auch gleich herein gerufen. Im Raum erwarteten mich fünf Leute. Vom Leiter über Personalreferenten bis zum Betriebsratsmitglied war alles vertreten. Das Gespräch, was übrigens fast eine Stunde gedauert hat, war sehr angenehm und freundlich. Meiner subjektiven Einschätzung nach habe ich mich wirklich gut geschlagen und bin überzeugend und motiviert aufgetreten. Die Frage ist nur, ob das die Entscheidungsträger auch so gesehen haben.

Leider war ich wieder mal den gängigen und teilweise nicht legitimen Fragen ausgesetzt, die mit 100prozentiger Wahrscheinlichkeit nur Frauen gestellt bekommen. „Sie müssten viele Dienstreisen machen und wären viel mit dem Auto unterwegs. Sehen Sie sich dieser Anforderung gewachsen?“ Diesbezüglich bediene ich keines der gängigen Frauen-Klischees und das teilte ich meinem Gegenüber auch, mit gedanklich hochgezogener Augenbraue, mit.

„Wie sieht ihre Familienplanung aus?“ Von meiner Schwester wusste ich, dass diese Frage eigentlich überhaupt nicht gestellt werden darf. Aber ich wollte mich dennoch äußern. Ich habe ja schließlich nicht dreieinhalb Jahre studiert, um mich dann gleich ausschließlich als Mutter und Hausfrau zu behaupten. „Ich möchte weder heute noch morgen ein Kind. Aber sollte ich mal eines haben wollen, habe ich gehört, dass es auch in Berlin Krippenplätze gibt.“

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