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Ingenieurwesen? Ja, bitte!

Polizeibegleitung

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

27.11.2018

Zur halbjährlichen Hauptversammlung meines europäischen Studierendenvereins flog ich mit einigen Kommilitonen aus Aachen und Düsseldorf ein paar Tage nach meiner letzten Klausur nach Istanbul. Dort waren wir sehr „komfortabel“ in einem noch nicht fertiggestellten Sportzentrum untergebracht: Schlafen im Parkhaus, Diskussion und Plenum auf den Tribünen in der Sporthalle … So „bequem“ die Unterbringung war, so „ungefährlich“ und „gepflegt“ war auch die umliegende Gegend. Das wurde uns aber erst klar, als wir in der U-Bahn von einer jungen Türkin angesprochen wurden, ob wir wirklich sicher seien, an der nächsten Station aussteigen zu wollen. Sie hielte das in dieser Gegend für keine gute Idee. Ein Ort zum Wohlfühlen also! Gewarnt, aber immer noch unternehmungslustig wagten wir uns trotz dieses Hinweises weiter vor die Tür und erlebten ein paar sehr interessante Tage. Unsere Hauptversammlung läuft immer ungefähr gleich ab. Tagsüber gibt es Vorträge, Diskussionen und Wahlen. Abends und nachts gehen wir gemeinsam feiern. Und wenn ich „wir“ sage, meine ich 800 Studierende aus vielen verschiedenen Ländern. In der Türkei gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, dass solche großen Gruppen grundsätzlich von der Polizei begleitet werden müssen. Als Studierendenorganisation, die für ein demokratisches Europa eintritt, müsste gerade eine solche Veranstaltung ganz unter dem Zeichen der Versammlungsfreiheit stehen. Umso bedenklicher erschien mir die permanente Polizeibegleitung. Das tatsächliche Ausmaß dieses Gesetzes begriff ich aber erst, als wir abends in gemietete Busse stiegen, um zum Bosporus zu fahren. Dort sollte als Programmhighlight eine Bootsparty stattfinden. Zum einen durften die Busse nur als Konvoi starten, damit die Polizisten uns alle gleichzeitig begleiten konnten. Das war nervig, weil es unfassbar lange dauerte, bis 800 Menschen, die dieses Gesetz nicht kannten und davon ausgingen, dass die Busse nacheinander abfahren, endlich alle eingestiegen waren. Tatsächlich unwohl wurde mir aber erst bei der Aktion, die dann folgte. Als alle von den Bussen auf das Boot gewechselt waren und es ablegte, folgte uns von Anfang bis Ende in ein paar Metern Abstand ein Polizeiboot. Mit anderen Worten: Man hat unsere Gruppe keinen Augenblick aus den Augen gelassen – nicht einmal für eine Party.

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