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Ingenieurwesen? Ja, bitte!

Proteststimmung

Autor:
Katha

Rubrik:
studium

20.03.2020

Der letzte Stopp meiner Reise durch Südamerika war Santiago de Chile. Mit meinem Freund verbrachte ich dort zwei spannende Tage.
Wir kamen morgens etwas gerädert an, nachdem wir mit einem Nachtbus von Argentinien aus über die Grenze gefahren waren. Wir starteten unseren Besuch mit einer Free Walking Tour, um uns einen ersten Überblick und ein Gefühl für die Stadt zu verschaffen. Die Tour erwies sich als hervorragende Idee, da Chile seit längerem von Protesten erschüttert wird. Unser Tourguide versuchte unserer Gruppe daher verständlich zu machen, mit welchen Problemen das Land aktuell zu kämpfen hat und aus welchem Grund die Bevölkerung so ausdauernd auf die Straße geht. Denn obwohl sich Chile in den letzten 100 Jahren wirtschaftlich gut entwickelt hat, herrscht große soziale Ungleichheit. Einen eindrucksvollen Einblick in die Proteste bekamen wir am zweiten Tag. Auf einer Kreuzung standen einige gepanzerte Polizeifahrzeuge, während der Verkehr unbeeindruckt an ihnen vorbeifuhr. In einiger Entfernung stand eine Gruppe vermummter Demonstranten, die die Polizeifahrzeuge mit Steinen bewarfen. Die Polizei antwortete darauf von Zeit zu Zeit mit einem Wasserwerfer. Auf einem Grünstreifen hinter den Demonstranten lagen Einheimische im Gras, die das Treiben zwar genau beobachteten, sich allerdings nicht so weit beunruhigen ließen, dass sie ihre liegende Position aufgaben. Also wir an der Szene vorbeigingen, bogen wir in eine Straße ab, in der die allgegenwärtigen politischen Graffiti-Botschaften noch dichter wurden und die Gebäude noch deutlicher von den Protesten gezeichnet waren als in den Teilen der Stadt, die wir bisher kannten. Nur eine Straßenecke weiter kamen uns weitere Polizeifahrzeuge entgegen, während auf der anderen Straßenseite eine kleine Kirchengemeinde einen Gottesdienst unter freiem Himmel abhielt. Die Situation wirkte auf mich so surreal: Fröhlich Betende vor dieser Kulisse, entspannt im Gras liegende Menschen und ein paar Meter weiter eine Demonstration ist einfach eine bizarre Mischung.

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