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Die Juristen von morgen

Tatort live

Vor ein paar Wochen hat die Station des Referendariats begonnen, auf die ich schon mit großer Spannung gewartet habe: Strafrecht. In den ersten Wochen steht wie immer ein Einführungslehrgang an, damit man auch merkt, wie wenig von der Praxis man nach fünf Jahren Jurastudium eigentlich kann. Natürlich dient dieser Lehrgang auch der Vorbereitung auf die Arbeit im Referendariat und auf das, was einen dann im Examen erwartet. Gleich in den ersten Stunden hat uns der Staatsanwalt, der uns unterrichtet, mit Geschichten über einen mit Anabolika handelnden „Mister Universe“ und mit amüsant-ekelerregenden Berichten von Leichenschauen unterhalten. Da merkt man gleich, dass eine gewisse Abhärtung und eine Portion schwarzer Humor dazugehören, um in so einem Berufsfeld arbeiten zu können. Unglaublich spannend, das nach den ganzen Tatort-Serien im Fernsehen mal hautnah mitzuerleben.
Nach dem, was uns der AG-Leiter ankündigt, können wir Referendare auch viel erleben in dieser Station. Fast alle können bei einer Polizeifahrt mitmachen, wo man für eine Nacht eine Streife begleitet. In einer Stadt wie Berlin kann es da schon mal brenzlig werden. Dann hat unser AG-Leiter einen Besuch beim Berliner Landeskriminalamt organisiert sowie bei der Gerichtsmedizin. Wenn man einen schwachen Magen hat, sollte man da wohl eher nicht hingehen. Auf der Programmordnung stehen auch Besichtigungen von zwei Berliner Gefängnissen. Und schließlich gehört es für jeden Referendar in Berlin zur Tagesordnung, Sitzungsvertretungen für den Staatsanwalt zu machen. Man geht also als „vollwertige“ Staatsanwältin in eine Sitzung und beantragt die Strafe, die man für angemessen hält. Abwechslung und Aufregung scheinen hier vorprogrammiert zu sein.

Autor: Luisa  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Mar 26, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: beruf & karriere
Mar 26, 2019

Die Juristen von morgen

Erste Gehversuche im Referendariat

„Bleiben Sie entspannt, es geht nur um Ihre Existenz.“ Mal wieder hatte unser AG-Leiter einen flotten Spruch auf den Lippen. Und leider mal wieder zu Recht. Denn das zweite Staatsexamen ist noch wichtiger als das erste. Ich habe schon von Leuten gehört, die in Ministerien abgelehnt wurden, weil sie im zweiten Examen nur 8,8 Punkte hatten und nicht die gewünschten 9,00 Punkte. Sowas während des Referendariats im Hinterkopf zu haben, nimmt nicht gerade den Druck.
Inzwischen sind drei Monate nach dem Beginn des Referendariats vergangen, wir haben schon zwei Probeklausuren geschrieben und die meisten aus unserer AG haben schon einen Schlag ins Gesicht in Form einer Fünf-Punkte-Klausur bekommen. Schon jetzt – eineinhalb Jahre vorher – dreht sich alles um das Examen.
Nach mittlerweile sechseinhalb Jahren universitärer Ausbildung kann ich es kaum erwarten, „wirklich“ zu arbeiten. Zwar arbeitet man im Referendariat auch in den unterschiedlichen Stationen, aber einen tatsächlichen Nutzen erzielt man eher weniger. Man arbeitet nur für sich. Dadurch schwindet meine Motivation. Wenn ich mir vorstelle, dass ich dieselben Aufgabenstellungen als Richterin bearbeiten müsste, wäre ich wahrscheinlich mit viel mehr Herzensblut dabei. Denn jetzt sind meine Entscheidungen ziemlich irrelevant.
So ist meine Zivilstation durchzogen von Hochs und Tiefs. Es gibt Momente, in denen ich begeistert davon bin, die Überschrift „Im Namen des Volkes“ über einen Text zu schreiben und in denen mir das Knobeln über Probleme unglaublich viel Spaß macht. Und dann hänge ich wiederum lustlos über meinen Büchern. Zum Glück lebt das Referendariat von Abwechslung. In ein paar Wochen bin ich mit der Zivilstation fertig und die Strafstation beginnt. Dieser Wechsel bringt bestimmt neuen Schwung in das Ganze.

Autor: Luisa  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Mar 11, 2019

Die Juristen von morgen

Es geht in die zweite Runde

Als ich in den vergangenen Wochen Probeklausuren für das erste Staatsexamen korrigiert habe, kamen diese unguten Erinnerungen an meine eigene Examensvorbereitung wieder hoch. Jetzt saß ich auf der anderen Seite und korrigierte die Klausuren von diesen armen Seelen. Wenn man nur wenige Punkte vergeben kann, ist das auch für den Korrektor kein schönes Gefühl.
Nach einem Jahr Jura-Pause ging es mit Beginn meines Referendariats nun also auch für mich zurück in diese Welt. Ich habe dabei gemischte Gefühle: In Arbeitsgruppen zu arbeiten und im Vorbereitungskurs Hausaufgaben aufzubekommen, brachte auf der einen Seite Erinnerungen an meine Schulzeit zurück. Ersti-Parties und die AG-„Klassen“-Fahrt verstärkten dieses Gefühl noch. Aber auf der anderen Seite war ich bestürzt, was ich nach fünf Jahren Studium alles noch nicht weiß. Manchmal finde ich es auch langweilig. Nachdem ich mich in Brügge mit aktueller Weltpolitik beschäftigen konnte, geht es nun manchmal um spannende Dinge wie die Zuständigkeit eines Gerichts oder die Prozessfähigkeit von Personen. In solchen Momenten kann ich mir gar nicht vorstellen, das für die nächsten zwei Jahre zu machen. Am liebsten würde ich endlich mal praktisch arbeiten.
Doch dann gibt es auch wieder spannende Momente im Referendariat. Absolut abstruse Sachverhalte, von denen man denkt, dass diese von schlechten Hollywood-Regisseuren ausgedacht worden sein müssen. Oder, wenn man bei einem Fall erst einmal herausfinden muss, was überhaupt passiert ist. Gerade habe ich zum Beispiel mein erstes Urteil – wenn auch nur als Probeklausur – verfasst. Und das fühlte sich schon ziemlich gut an!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Dec 28, 2018
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Dec 28, 2018