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Die Juristen von morgen

verdAMT ich lieb dich


Über einem Monat bin ich nun in meiner Verwaltungsstation am Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Aufgefallen ist mir, dass es keine Seltenheit ist, schon um 11.45 zum Essen zu gehen.
Abgesehen von den Essenszeiten entspricht das BMWi selten den Klischees von Behördenarbeit. Insbesondere bei den Arbeitszeiten nicht. Statt um drei Uhr nachmittags schon den Stift fallen zu lassen, beendet niemand aus meinem Referat die Arbeit vor 18Uhr – die meisten bleiben auch deutlich länger. Was dagegen schon stimmt: dass man oft alles mit allen abstimmen muss. Auch dem Klischee entsprechen die hierarchischen Strukturen. So langsam erschließt sich mir die Unterscheidung zwischen Referats-, Unterabteilungs- und Abteilungsleiter. Die Kürzel für alle Referate des BMWi kenne ich allerdings immer noch nicht auswendig.
Abgesehen von diesen kleinen Problemen habe ich mich hier inzwischen sehr gut eingearbeitet. Die Mitarbeiter finde ich äußerst nett und sehr kompetent. Meine Aufgaben sind spannend. Und es gefällt mir, in einem Referat auf der Schnittstelle von Innen- und Außenpolitik sowie Außenwirtschaft zu arbeiten. Die Nachrichten von politischen Unruhen oder Umstürzen werden hier im Detail relevant. In den Abteilungsleiterrunden werden Einzelaspekte von internationalen Beziehungen beleuchtet, von denen man ansonsten nur hie und da etwas mitbekommt. Interna aus Regierungsvorhaben werden diskutiert, und alle Projekte hier dienen im Ergebnis dazu, die Politik der Bundesregierung umzusetzen oder fortzuführen. Zwar bedeutet das auch, dass die eigene Meinung – bis vielleicht auf die technischen Details – nicht unbedingt so viel zählt. Aber einen Chef, der einem sagt, wie man etwas zu erledigen hat, gibt es fast in allen Berufen. Hier ist nur die Besonderheit, dass es wohl noch unwahrscheinlicher ist, dass man mal irgendwann selbst den Ton angibt. Aber in wahre Gewissenskonflikte wird man in den nächsten Jahren bei der Umsetzung von Regierungsarbeit hoffentlich nicht kommen. Da kann ich dem Poster, das im Praktikanten- und Referendarszimmer hängt („VerdAMT ich lieb‘ dich“) nur zustimmen.

Autor: Luisa  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Aug 20, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: beruf & karriere
Aug 20, 2019

Die Juristen von morgen

Neue Anträge

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit verrinnt: Inzwischen bin ich im Einführungslehrgang für meine dritte Station, Verwaltungsrecht. Und ich muss zugeben: Es macht richtig viel Spaß, mal wieder Verwaltungsrecht zu machen. Auch wenn ich – ich weiß nicht wieso – hier anscheinend viel mehr vergessen habe als im Zivil- und Strafrecht. Dafür hat man für das erste Examen deutlich mehr Prozessrecht gelernt, das man sich jetzt nicht mühsam erst noch erarbeiten muss.
Eigentlich ist Verwaltungsrecht eines der eintönigsten Fächer, das man sich vorstellen kann. Klassische Fälle sind Baugenehmigungen oder Einsprüche gegen beamtenrechtliche Anweisungen. Aber es geht immer wieder ein Schmunzeln durch alle Reihen, wenn es um den Wurstverkäufer W geht, der mit einem vor den Bauch geschnallten Grill ohne Sondernutzungserlaubnis über den Alexanderplatz läuft. Was soll man dagegen machen? Grill wegnehmen? Beinchen stellen? Und immer wieder denke ich gerne an eine Definition zum Verunstaltungsverbot im Baurecht: ein Bauwerk muss dann abgerissen werden, wenn es „eine handgreifliche Negation des Schönen“ darstellt. Wenn ich mit diesem Gedanken im Hinterkopf durch Berlin fahre, müsste eigentlich ziemlich viel abgerissen werden.
Und neben diesen Amüsements in der AG freue ich mich nicht nur auf meine eigene Station, sondern auch auf das, was die anderen Referendare aus ihrer Praxis erzählen werden. Ein Großteil ist in Ministerien untergebracht, ein paar sind bei der Polizei oder in sonstigen Verwaltungen eingesetzt. Hier merkt man mal wieder, wie vielfältig Juristen eingesetzt werden können. Und ich bin schon gespannt, wie hautnah ich die Politik im Bundeswirtschaftsministerium erleben werde.

 

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jul 19, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jul 19, 2019

Die Juristen von morgen

Klassenfahrt

Das letzte Klassenfahrt-Gefühl hatte ich auf dem Ausflug nach Straßburg mit dem Europakolleg. In riesigen Reisebussen sind wir mit dem gesamten politikwissenschaftlichen Masterstudiengang aufgebrochen, um unterschiedliche europäische Institutionen zu besuchen. Ich hätte gedacht, dass auch bei der AG-Fahrt nach Budapest dieses Jahr diese nostalgische Erinnerung an die Schulzeit wieder hochkommen würde. Aber ich fürchte, die Zeit der jugendlichen Unbeschwertheit ist endgültig vorbei.
Das liegt vor allem daran, dass wir diese Reise selbst organisiert haben. So erfolgte beispielsweise die Anreise vollkommen unterschiedlich: ein paar kamen mit dem Nachtzug, die meisten reisten mit dem Flugzeug an. Also keine gemeinsame Busreise mit den „coolen Kids“ in der letzten Reihe! Auch haben wir nicht in einer Jugendherberge übernachtet, sondern in Appartements. Und Aufsichtspersonen waren weit und breit keine zu sehen.
Spannend war der Ausflug auf jeden Fall. Die Vorgabe des immer strenger werdenden Berliner Kammergerichts für die AG-Fahrt waren fünf Stunden juristisches Programm am Tag. Und so hetzten wir an den ersten beiden Tagen in der ungarischen Hitze von Termin zu Termin. Doch anders hätten wir nie so intensive Einblicke in die Stadt und das Land gehabt: Besonders der Besuch zweier NGO‘s gab uns Einblick in die aktuelle politische Lage. Und der Besuch im Holocaust-Museum mit Führung führte uns vor Augen, dass Ungarn ähnlich viele Regimewechsel hinter sich hatte, wie Deutschland. Hier konnte ich einige Parallelen ziehen zu den Geschichtstagen, die wir regelmäßig in unseren Einführungslehrgängen haben. Und abgesehen vom inhaltlichen Programm war der Ausflug eine perfekte Gelegenheit, um die anderen Referendare der Arbeitsgemeinschaft, mit denen man manchmal nicht so viel zu tun hat, näher kennenzulernen. Ein Erlebnis, das zusammenschweißt.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jul 8, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jul 8, 2019