interaktiv

Die Lehrer von morgen

Emanzipiert

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

05.01.2017

„Ich bin eine starke, emanzipierte Frau und kann selbst entscheiden, was ich trinke und was nicht“ – das antwortete ich dem Mitbewohner eines Freundes, der mich neulich auf einer WG-Party überreden wollte, von Wasser auf Wodka umzusteigen. In dem Moment war das mit einem kleinen Augenzwinkern gesagt, aber eigentlich habe ich mich bislang schon für ziemlich emanzipiert gehalten. Ich mag es nicht, wenn man mir Getränke ausgibt oder mich zum Essen einlädt – es sei denn, ich zahle beim nächsten Mal die Rechnung. Ich fahre sehr selbstbewusst Auto und studiere ebenso selbstbewusst Mathe. Ich beschwere mich, wenn man mir in Entscheidungen reinredet, ohne dass ich nach einer Meinung gefragt habe.
Dennoch habe ich in letzter Zeit festgestellt, dass es Vorteile hat, ein zumindest durchschnittlich attraktives Mädchen mit großen Augen, blonden Haaren und einer Piepsstimme zu sein. Als ich zum Beispiel in der AStA-Fahrradwerkstatt selbstständig meine Räder festziehen wollte, bekam ich mehr Hilfe als notwendig, und der Mitarbeiter der Werkstatt suchte mir sogar aus der Schraubensammlung ein paar Exemplare heraus, um meinen seit Wochen losen Kettenschutz wieder zu befestigen.
Seit ich darüber nachdenke, bin ich unsicher, wo man bei Emanzipation die Grenzen zieht. Dinge, die ich eigentlich selbst kann, von anderen übernehmen zu lassen, ist doch nicht wirklich emanzipiert, oder? Sicher bin ich mir nur in einem Punkt: Ich will ernst genommen werden – als Frau, vor allem aber als Mensch. Wenn das geht, obwohl ich ab und zu mit einem Lächeln unliebsame Aufgaben abwälze – gerne. Falls nicht, repariere ich mein Fahrrad beim nächsten Mal lieber ohne Hilfe.

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