interaktiv

Die Lehrer von morgen

Hinter dem Tellerrand

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

07.02.2017

Was ich beim Trampen besonders cool fand, waren die vielen Einblicke ins Leben und Denken anderer Menschen, die ich auf der gemeinsamen Fahrt bekam.
Zum Beispiel war da die Frau, die uns von Bonn bis kurz vor Köln mitnahm. Sie pendelt zweimal die Woche von Dortmund nach Bonn und trampte früher mit ihrem Freund nach Athen. Es gab den Autohändler, der uns im Eurotunnel nach England mitnahm und seine Ansichten zu deutscher und englischer Politik kundtat. Es gab den Mittdreißiger, der auf ein Konzert in Birmingham wollte, uns aber vorher noch auf die Autobahn M6 nach Norden brachte. Dabei schaffte er es, sich vollkommen zu verfahren, während er erklärte, welche Musik wir uns unbedingt anhören sollten. Es gab Josephine, die uns von Glasgow bis Leeds mitnahm, und deren Mutter Belle, mit mir die französische Nationalhymne sang und Alex dreimal versicherte, er sei ihrem Enkel furchtbar ähnlich, nur weniger hübsch. Es gab den Typen, der uns spontan von Canterbury nach Folkestone fuhr, und uns erklärte, eigentlich sollte er uns dankbar sein, weil man nur durch Nächstenliebe ein reines Leben führen könne. Es gab die Polizisten, die uns mitten in der Nacht von der Einfahrt zum Eurotunnel auflasen, erklärten, dass es dort zu gefährlich für uns sei, und uns dann zur nächsten Tankstelle fuhren, während sie uns ihre Deutschkenntnisse („Guten Tag. Ich habe eine Schrotflinte. Is it called ‚Schrotflinte‘?“) präsentierten.
Die paar Stunden in fremden Autos mit fremden Menschen, die unterschiedlicher kaum sein konnten, waren ein spannender Blick über den Tellerrand. Mein Bild von der Welt und der Menschen, die darin leben, hat sich mit Sicherheit ein bisschen differenziert.

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