interaktiv

Die Lehrer von morgen

Underachiever

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

03.03.2017

Ich konnte im Alter von vier Jahren lesen, habe mir in der Grundschule autodidaktisch das Rechnen im Dreisatz beigebracht, weiß alle relevanten Geburtstage und Daten sonstiger Geschehnisse aus dem Stegreif und bin ziemlich gut darin, Dinge in kurzer Zeit auswendig zu lernen. An meiner Intelligenz habe ich nie gezweifelt. An meiner Faulheit allerdings auch nicht.
In der Schule war ich zwar immer mündlich gut dabei, aber ich hatte selten Lust, mich auch nachmittags noch in den Stoff reinzudenken. Hausaufgaben habe ich ab der 8. Klasse nur noch dann gemacht, wenn ich Spaß am Thema hatte, und gelernt nur, wenn ich in einer Lerngruppen war. Auch im Studium habe ich mich bislang mit möglichst wenig Aufwand durchgeschlagen. Ich war für alle Prüfungen vorbereitet, aber wirklich erst genau am Prüfungstermin.
Ich bin ein Underachiever, also jemand, der unter seinen Möglichkeiten bleibt – und das ist okay so. Zumindest war das bislang meine Meinung. Aber als ich neulich mit einer Freundin, die meinen Standpunkt teilte, über das Thema sprach, kam doch die Frage auf, ob wir nicht unser Potenzial verschwenden. Mit etwas mehr Aufwand hätte ich locker das Einser-Abi schaffen können, und dass ich in den vergangenen zwei Semestern Seminare angefangen und dann doch aufgegeben habe, war unnötig. Kognitiv hätte ich alles geschafft und nur die Tatsache, dass mein Stundenplan ein bisschen voller war, ist eine ziemlich billige Ausrede.
Fürs nächste Semester habe ich mir daher vorgenommen, dass ich mehr tun will: Ich will alles belegen, was mir noch für den Lehramtsbachelor fehlt, sodass ich in meinem fünften Semester in Bonn nur noch die Bachelorarbeit schreiben muss und währenddessen hoffentlich schon das ein oder andere Modul für den Master belegen kann. Weil mein Stundenplan mit Deutschdidaktik, Mathematischer Modellierung und Bildungswissenschaftlicher Praxis aber immer noch ziemlich leer ist, habe ich beschlossen, zudem die Vorlesung Komplexe Analysis zu besuchen. Damit hätte ich schon eine der Vertiefungen für den Master vorgearbeitet. Und falls mir der Aufwand zu groß wird, kann ich die Vorlesung immer noch abbrechen oder die Klausur nicht mitschreiben. Aber ich möchte zumindest versuchen, mein leistungsfähiges Ich etwas mehr herauszukitzeln.

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