interaktiv

Die Lehrer von morgen

Klausuraufsicht

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

20.03.2017

Die Vorlesungszeit ist vorbei, meine Klausuren sind geschrieben – aber damit ist meine Arbeit für dieses Semester noch nicht getan. Zu meinem Job als Tutorin gehört nämlich auch, dass ich einen Tag lang mit der Klausuraufsicht der Physiker beschäftigt bin. Am Montag nach meiner letzten Klausur stand ich also ab 9 Uhr vor dem Wolfgang-Paul-Hörsaal und kontrollierte die Personal- und Studentenausweise der Klausurteilnehmer, um die Namen auf der Liste abzuhaken. Eine gute Dreiviertelstunde später waren alle Personen abgehakt. Zwei Stunden lang hatten wir nun nichts zu tun, außer herumzusitzen und auf Meldungen der Studierenden zu reagieren – wahlweise damit, sie zum Klo zu begleiten oder Fragen zur Klausur zu beantworten, solange diese nicht zu konkret waren.
Dann begann der schwere Teil der Arbeit: die Korrektur. Wir konnten uns selbst aussuchen, welche Aufgaben wir korrigieren wollten; ich habe mit einer Kommilitonin zusammen Aufgabe vier bearbeitet, in der es um das Verständnis einer bestimmten Abbildung ging. In vier Teilaufgaben wurde nach Linearität, Kern, Bild und Bijektivität der Funktion gefragt – aus meiner Sicht sehr offensichtlich, aber die Antworten brachten uns teilweise an den Rand der Verzweiflung. Neben Rechtschreibfehlern („Linearetöt“), unleserlicher Schrift und vielen Studierenden, die diese Aufgabe gar nicht erst probiert hatten, diskutierten wir mehrmals, ob man an dieser oder jener Stelle nicht doch einen halben Punkt geben könnte. Mal hatte jemand nur die Begriffe „injektiv“ und „surjektiv“ verwechselt – und damit eine zwar inhaltlich korrekte, aber zur Frage falsche Erklärung – mal jemand nur die Begründung, aber keine Antwort hinschrieben oder aber Aufgabenteil c) in der Mitte von Aufgabenteil d) gelöst.
Nach fünf langen Stunden wurden es endlich weniger Klausuren, die noch zu korrigieren waren, und mehr, bei denen ich die Punkte zusammenzählen und ein „bestanden“ oder „nicht bestanden“ vermerken konnte. Leider waren es doch ziemlich viele nicht bestandene Klausuren. Von den vier Studierenden aus meinem Tutorium, die die Klausur mitgeschrieben hatten, hatte gerade mal einer die nötige Punktzahl erreicht. Ein bisschen enttäuscht von der Leistung meiner Physiker und ein bisschen verärgert mit mir selbst als Tutorin verließ ich an dem Abend das Mathezentrum. Aber ich fand es sehr cool, die Klausurerfahrung auch einmal von der anderen Seite zu machen.

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