interaktiv

Die Lehrer von morgen

Beklaut und entführt

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

31.05.2017

„Diese Nachricht ist der volle Ernst, wir erlauben uns wirklich keinen Scherz: Wir wurden entführt“ – so begann die Nachricht, die ich vor Kurzem spätabends erhielt und die wohl nervenaufreibendsten 15 Stunden dieses Jahres einleitete. Absender waren Alex und Felix, zwei meiner besten Freunde in Bonn, die zwei Wochen zuvor losgereist waren, um trampend Osteuropa zu erkunden. Ich hatte ihnen vorher gesagt, sie sollten auf sich aufpassen, die Jungs hatten „jaja“ geantwortet und nur zugesagt, ab und zu Bescheid zu geben, dass es ihnen gut geht. Nach vier Tagen waren sie in Sankt Petersburg, ein paar Tage später in Moskau und das alles klang nach sehr viel Spaß.
Dann kam besagte Nachricht mit allen Informationen, die die beiden mir über ihre derzeitige Situation geben konnten– eine Wohnung in Odessa, Ukraine, gestohlenes Geld von der Kreditkarte, beide Jungs aber soweit unverletzt an Leib und Seele – sowie die Anweisung, ihre Eltern und die Polizei zu informieren, sollten sie sich am nächsten Tag nicht melden. Dann nämlich wollten die Entführer sie freilassen.
Meine erste Reaktion war erst einmal, mir heulend das Schlimmste auszumalen. Einer der zwei Freunde aus Bonn, die Felix und Alex ebenfalls informiert hatten, überzeugte mich anschließend davon, dass die Nachricht nur ein Scherz gewesen sein sollte. Schlafen konnte ich trotzdem nicht. Was, wenn es doch kein Scherz war und die beiden Hilfe brauchten?
Ich rief die Polizei an. Da mir dort gesagt wurde, dass ich persönlich vorbeikommen müsste, strampelte ich mitten in der Nacht durch halb Bonn zur Polizeiwache in der Innenstadt, um dem diensthabenden Polizisten die Nachricht zu zeigen. Er nahm mich zum Glück ernst, konnte mir aber auch erst einmal nicht helfen, weil dafür das Kriminalkommissariat im Haus sein müsse, das nur tagsüber besetzt sei.
Am nächsten Morgen wurde klar, dass es Ernst war, als ich von Alex eine SMS mit den Koordinaten bekam. Am späteren Vormittag kam dann die erlösende Nachricht von Alex, sie seien frei und in Sicherheit. So richtig entspannen konnte ich allerdings erst, als Alex und Felix wieder in Bonn ankamen. Dann erfuhr ich die ganze Geschichte: In Odessa, Ukraine, nahmen sie zwei Männer im Auto auf. Doch statt die Jungs einfach nur ein Stück mitzunehmen, fuhren die Männer in eine dunkle Gasse und knöpften ihnen Handys und Kreditkarten ab. Nachdem die Entführer Geld von den Kreditkarten abgehoben hatten, gaben sie Alex und Felix die Handys zurück, brachten sie in eine Wohnung, aßen genüsslich zu Abend und gaben dem Vermieter die Anweisung, die beiden erst am nächsten Tag um 12 Uhr freizulassen. Die Entführer waren bereits über alle Berge, als der Vermieter den beiden die Reisepässe zurückgab und sie aus der Wohnung ließ. Das entwendete Geld haben sie mittlerweile auch wieder dank Versicherung. Wer die Entführer genau waren, ob das organisiert war und so weiter, wird man wohl nie erfahren. Zum Glück ging die Sache glimpflich aus. In solchen Situationen merkt man erst, wie wichtig einem Freunde sind und wie froh ich bin, dass den beiden nichts Schlimmeres passiert ist.

 

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