interaktiv

Die Lehrer von morgen

Religionen in Würzburg

Autor:
Eva

Rubrik:
studium

09.06.2017

Vor Kurzem besuchte ich in Gesellschaftswissenschaften das Seminar „Würzburg und Religion“. Ich sollte ein Interview über religiöse Praxis und Religionsfreiheit führen und wählte meine Großeltern aus. Sie sind 76 und 78 Jahre alt und konnten mir von einigen geschichtlichen Wenden und Ereignissen in Sachen Religionsfreiheit berichten. Hier zwei vereinzelte Fragen aus meinem Interview und ihre Antworten:
Wie setzt ihr eure religiöse Praxis um? „Ich bete morgens und abends. Zudem denke ich an Gott, gehe sonntags in die Kirche und nehme mich selbst als christlich wahr. Ich engagiere mich zusätzlich als Gemeindehelfer/in. Zudem versuche ich, die zehn Gebote einzuhalten.“
Inwiefern wird die Religionsfreiheit anderer eingeschränkt? „Die Religionsfreiheit wird in Deutschland heute nicht mehr eingeschränkt. Früher war das anders. In meiner Kindheit war die Trennung zwischen evangelisch und katholisch extrem. Es sind katholische Flüchtlinge gekommen, die in unserer Region nicht gerade beliebt waren. Auch die evangelischen Flüchtlinge waren bei den Katholiken nicht willkommen. Früher war eine Hochzeit zwischen einem Katholiken und einer Protestantin – oder umgekehrt – unvorstellbar, dennoch siegte oft die Liebe.“
Im weiteren Seminarverlauf besuchten wir das Shalom Museum in Würzburg. Es ist ein jüdisches Museum, das ehrenamtlich betrieben wird. Wir sollten uns ein Artefakt auswählen, das zu unserem Interview passt. Ich wählte Informationen über die Hochzeitzeremonie der Juden. Die läuft so ab: Braut (kalla) und Bräutigam (chatan) treten unter einen verzierten Baldachin, die Chuppa, ebenso ein Rabbiner. Im ersten Teil der Hochzeit zelebriert der Rabbiner die Heiligung (Kidduschin) und die Angelobung (Erussin), indem er den Segen über einem mit Wein gefüllten Becher ausspricht. Aus diesem trinken beide Eheleute. Dann steckt der Bräutigam der Braut einen Ring an den Finger und sagt: „Durch diesen Ring seist du mir angelobt entsprechend dem Gesetz von Moses und Israel.“ Ebenfalls gehört die Verlesung des Ehevertrags (Ketuba) dazu, indem sich der Ehemann für die Versorgung seiner Frau verpflichtet.
Der zweite und eigentliche Teil der Heirat ist die Besiegelung der Verlobung (Nissu’in). Der Rabbiner verliest sieben Segenssprüche, woraufhin das Paar abermals vom Wein trinkt. Dann zertritt der Bräutigam ein Glas, das Startsignal zum Beglückwünschen mit dem Spruch „Masel Tow!“ – und zum ausgiebigen Feiern.

Diesen Artikel teilen