interaktiv

Die Lehrer von morgen

Bibliothekstrauma

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

18.08.2017

Nur um das klarzustellen: Die Entscheidung, in Bonn Mathe und Deutsch auf Lehramt zu studieren, war eine der besten meines Lebens. Ich liebe die Stadt, die Uni, meinen Freundeskreis und generell habe ich im Vergleich zu Düsseldorf noch keinen Punkt gefunden, in dem Bonn schlechter abschneidet – bis heute!
Vielleicht war ich in Düsseldorf verwöhnt. Eine riesige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB), dazu ein paar Fachbibliotheken für Notfälle, damit konnte man gut arbeiten. Während meiner Haus- und Bachelorarbeitsphasen habe ich in der ULB gelebt, ein Fensterplatz mit Steckdose in der Nähe, dank Uni-WLan ab und zu ein bisschen Surfen als Pause vom Schreiben und auf der Bib-Website war schnell alle Literatur gefunden und in fünf Minuten besorgt.
In Bonn fängt es schon beim Katalog an. Während in Düsseldorf Bücher, die nicht in der Bibliothek stehen, gar nicht erst im Katalog zu finden sind, bekommt man in Bonn alles angezeigt. Ich habe erst einmal eine Weile gebraucht, um herauszufinden, welche Bücher wirklich verfügbar sind und für welche es nur ein Angebot zur Fernleihe gibt.
Dann die Bibliothek an sich. In Düsseldorf ist alles thematisch nach Fachbereichen sortiert. Als ich beispielsweise ein Buch über Kriminalitätsstatistiken brauchte, fand ich direkt daneben Bücher über Gewalttheorien, von denen ich eines gut für meine Hausarbeit nutzen konnte. In Bonn gibt es eine Sammlung, die ähnlich gut sortiert ist – aber abgesehen davon sind die Bücher in der Freihandsammlung nach Herausgabedatum eingeordnet, sodass ich einmal quer durch den ganzen Keller laufen muss, um zwei ähnliche Bücher zu suchen, nur weil das eine ein paar Jahre früher erschienen ist als das andere. Außerdem muss ich für meine Literaturrecherche neben der Hauptbibliothek teilweise noch in Fachbibliotheken, etwa die der Germanistik oder der Ost- und Asienwissenschaften. Dort kann man aber vieles nur vor Ort nutzen oder scannen.
Mein Problem mit der Bonner Uni-Bibliothek ist so gravierend, dass ich sogar schon überlegt habe, ob ich meine Literatur einfach in Düsseldorf ausleihe – vielleicht mache ich das zumindest teilweise tatsächlich so.

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