interaktiv

Die Lehrer von morgen

Unverhofft WG-Mutti

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

15.01.2018

In WGs wohne ich schon seit 2012 –mit der kleinen Unterbrechung während meines Auslandssemesters in Israel. Meistens war ich in diesen WGs eher eine der unordentlichen Personen – allerdings nie eklig und wenn es Putzpläne gab, habe ich mich an diese gehalten. Aber der eine oder andere hatte peniblere Vorstellungen vom Putzen, wollte, dass ich mit der Zahnbürste in irgendwelchen Ecken herumschrubbte und so weiter. Ich mag es sauber, aber man muss es auch nicht übertreiben. Wenn ich mal eine schöne Wohnung nur für mich haben werde und keine Kompromissentscheidungen mit anderen mehr treffen muss, werde ich in dieser Frage vielleicht anders drauf sein.
Aber trotz meiner entspannten Haltung habe ich in meiner aktuellen WG irgendwie die Mutti-Rolle eingenommen. Ich bin selbst total überrascht darüber und muss mich darin noch zurechtfinden. Meine Mitbewohnerinnen sind alle kürzer als ich in der WG, jünger und weniger weit in ihrem Studium. So weit so gut, das müsste ja noch nichts heißen. Sie haben aber auch deutlich weniger WG-Erfahrung als ich: Zwei der drei sind direkt von ihren Eltern in diese Wohnung gezogen und alle drei fahren jedes Wochenende zu ihren Familien. Sie können durchaus putzen und sind nicht stinkfaul, aber sie sind es noch nicht gewohnt, Verantwortung für eine Wohnung zu übernehmen. Oft brennt, wenn ich spät abends nach Hause komme, Licht in der Küche, weil es keiner vor dem Schlafengehen ausgemacht hat. Genauso ist es mit Fenstern – alle lüften brav nach ihrem Duschgang, aber oft denkt niemand daran, das Fenster auch wieder zu schließen. Einmal kam ich an einem Samstag nach Hause und es waren sowohl das Küchen- als auch das Badfenster geöffnet, obwohl seit Donnerstag keiner mehr in der Wohnung war. Auch stelle ich oft den Müll schon mal in den Hausflur, um ihn beim nächsten Mal mit runterzunehmen (wir wohnen im vierten Stock und gehen selten extra deshalb runter). Am nächsten Tag steht er immer noch da, obwohl alle drei bereits in der Uni sind, also an der Tüte vorbeigingen. Solche Kleinigkeiten nerven mich zunehmend und ich denke, ich muss das mal ansprechen.
In solchen Momenten merke ich, dass die Jahre nicht spurlos an mir vorübergezogen sind – ich bin selbstständiger und verantwortungsbewusster geworden.

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