interaktiv

Die Lehrer von morgen

Schattenseiten

Autor:
Eva

Rubrik:
studium

14.03.2018

An meinem Wochenende in Hamburg sah und erlebte ich einige Dinge, die mich zuhause immer noch beschäftigen – insbesondere auf der Reeperbahn. Entlang dieser Straße mit einigen Abzweigungen prostituieren sich Frauen. Das ist ein sehr heikles Thema, das meines Erachtens viel zu sehr unter den Teppich gekehrt wird. Betrunkene Männergruppen streifen durch diese rot beleuchteten Straßen und verschwinden in den Bordellen. Sie sind ausgelassen und fröhlich, während andere um jeden Cent kämpfen und ihren Körper dafür verkaufen müssen. Es schien alles so normal zu sein, obwohl es doch eigentlich abnorm sein sollte.
In dieser belebten Straße sah ich auch viele Obdachlose, die versteckt und regungslos in ihren Schlafsäcken lagen, kleine Tragetaschen mit Decken und anderen Dingen vollgepackt neben ihnen. So viele Menschen liefen an ihnen vorbei. Manche sahen entsetzt, manche ausdruckslos hin, andere beachteten sie gar nicht.
Nur einen Steinwurf entfernt steht die neu erbaute Elbphilharmonie. Die Stadt hat circa 575 Millionen Euro in sie investiert, die Gesamtkosten belaufen sich auf sage und schreibe 789 Millionen Euro. Luxuswohnungen, Hotels und eine 80 Meter lange Rolltreppe sind Bestandteile des Gebäudes. Die Glasscheiben sind eigens angefertigte Einzelstücke aus Italien. Natürlich hat die Elbphilharmonie einen kulturellen Nutzen – es gibt beispielsweise Förderprogramme, die bei Kindern Interesse an klassischer Musik wecken sollen. Dennoch wurden aus meiner Sicht viele Millionen Euro einzig und allein dafür investiert, ein möglichst prunkvolles Gebäude hinzustellen.
Ist es nicht peinlich, mit diesem zu prahlen, wenn einige Straßen weiter die Leute kein Dach über dem Kopf haben oder Frauen ihren Körper verkaufen? Es ist doch pervers, was in der Welt vor sich geht. Ich stehe hilflos daneben und bin ratlos, wie so etwas zugelassen und toleriert werden kann.

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