interaktiv

Die Lehrer von morgen

Nostalgie im Kinderzimmer

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

14.05.2018

Die neue Stelle meines Vaters rief in der ganzen Familie ambivalente Gefühle hervor. Während meine Mutter konstant an seiner Seite stand, durchlief mein Vater alle Phasen von generellen Zweifeln („Will ich diesen Job wirklich?“) über Selbstzweifel („War mein Auftritt im Vorstellungsgespräch gut genug?“) bis zu Überzeugung („Es fühlt sich richtig an“). Mein Bruder – seit Kurzem volljährig – wollte nicht mit umziehen und sucht sich nun lieber in Mettmann eine eigene Wohnung. Meine Schwester bestärkte meine Eltern in ihrem Vorhaben, hatte aber gleichzeitig gemischte Gefühle, da ihre beste Freundin derzeit noch direkt gegenüber von uns wohnt – der Umzug bedeutet definitiv eine große Veränderung für sie.
Und ich? Keine Ahnung ... Ich empfand nur Stress, weil der Umzug bedeuten würde, dass ich meine Semesterferien damit verbringen würde, all den Kram in meinem alten Kinderzimmer zu sortieren.
Und so kam es dann auch: Nach einer Woche in Berlin lautete meine Devise: einpacken oder wegschmeißen. Besonders beim Durchgehen der alten Schulsachen kamen viele Erinnerungen hoch: Zettelchen, die im Unterricht geschrieben wurden mit tiefschürfenden Diskussionen, zum Beispiel über Jungs, in die man gerade verliebt war oder die gerade in einen verliebt waren. Die seit der 8. Klasse sorgfältig notierten witzigen Aussprüche von Lehrern und Schülern. Aufsätze aus der Unterstufe, als mein Weltbild noch etwas einseitiger war als heute. Dazu kamen noch unzählige Bücher und viele andere Dinge, die mich sehr nostalgisch werden ließen.
Und dann war es tatsächlich soweit: Mein altes Zimmer war leer, alle Kisten wahlweise in Bonn oder bei meinen Eltern im Keller untergebracht. Ein letztes Mal saß ich mit meiner Familie im verwaisten Wohnzimmer und aß Spinatpizza, das war dann das Ende unserer Zeit in Mettmann. Als ich abends in der Bahn nach Bonn saß, spürte ich dann doch eine Emotion: Erleichterung. In der alten Stadt sind viele Dinge passiert, die ich lieber vergessen würde; klar, auch ebenso viele gute, doch die verbinde ich eher mit Menschen, die es ja trotzdem noch gibt. Der Auszug aus der Kindheitsheimat ist ein Schritt ohne Altlasten in Richtung Zukunft – und das fühlt sich verdammt gut an.

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