interaktiv

Die Lehrer von morgen

Vom Examen in den Teilzeitjob?

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

12.06.2018

Zwischen meinen Examensprüfungen hatte ich mich für einen Job in einem Buchladen beworben, den ich sehr mag. Es sollte dabei nicht direkt um Bücher gehen, sondern um eine Eistheke, die im Sommer vor dem Laden aufgebaut und betreut werden sollte. Meine Bewerbung bezog sich eigentlich auf einen 450-Euro-Job. Im Vorstellungsgespräch wurde ich aber direkt gefragt, ob ich mir vorstellen könne, die Eistheke in Vollzeit zu leiten und hierfür unter anderem die Aushilfen zu koordinieren. Nach der Eissaison könnte ich weiter im Buchladen selbst arbeiten bis mein Referendariat im Februar beginnt. Nach ein paar weiteren Mail- und Telefonkontakten einigten wir uns auf eine Stelle mit 30 Stunden in der Woche mit der Aussicht, ab Juli die Leitung der Eistheke zu übernehmen. Arbeitsbeginn sollte der 3. Mai sein, das Probearbeiten war auf den Tag nach meiner letzten Prüfung angesetzt. In meiner Lernphase klang das für mich alles stimmig und ich war stolz auf mich, eine Arbeit gefunden zu haben, die nahtlos an mein Examen anschließt und mit der ich bis zum Referendariat gut über die Runden kommen würde.
Doch unmittelbar nach dem Examen merkte ich, wie sehr die vergangenen sieben Monate an mir gezehrt hatten. Da war zum Beispiel mein Freund, der den Haushalt fast gänzlich alleine schmeißen musste, weil ich von morgens bis abends mit dem Kopf in meinen Büchern gesteckt hatte, und so einiges mehr, das mir einfach zu viel geworden war. Die Tage nach meinem Examen verbrachte ich weinend im Bett.
Dann dachte ich mir, dass es vielleicht mit Lebensabschnitten genauso ist wie mit Beziehungen: Man muss die eine erst beenden und verarbeiten, bevor eine neue beginnt. Deshalb habe ich mir ein Herz gefasst und nur einen Tag vor Arbeitsbeginn den Job abgesagt. Einen Vertrag gab es zum Glück noch nicht, deshalb kam ich mit einer feigen, aber ehrlichen Mail aus der Nummer raus. Als keine Antwort kam, musste ich doch noch einmal zum Hörer greifen, um sicher zu gehen. Und ja, sie hatten die Mail gelesen. Sie wirkten sehr sauer – verständlicherweise. Aber ich bin sehr stolz auf meine Entscheidung. Ich möchte mich jetzt erst einmal in Ruhe sortieren und dann im Juni oder Juli arbeiten gehen. So lange bin ich auf die finanzielle Unterstützung meiner Eltern angewiesen, doch die haben für meine Situation zum Glück großes Verständnis.

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