interaktiv

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Jemanden in die Wüste schicken

Autor:
Benny

Rubrik:
auszeit nach dem abi

14.02.2008

Jetzt weiß ich, was damit gemeint ist. Nach einer Woche in Kairo machte ich mich mit einem Visum für den Sudan, viel Essen und noch mehr Wasser auf in den „Western Desert", einen Ausläufer der Sahara. Die erste Oase, die ich erreichen wollte, war Baharia, knappe 400 Kilometer entfernt. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, diese in zwei Tagen zu erreichen, ein recht hochgestecktes Ziel. Zum einen, da ich seit fast zwei Wochen nicht mehr Fahrrad gesessen war und zum anderen, da ein völlig neues Terrain auf mich wartete. Aber mit einem kräftigen Rückenwind könnte es schon klappen. Am ersten Tag verließ ich Kairo in den frühen Morgenstunden, um dem Verkehr etwas zu entgehen. Dies gelang mir recht gut, nur fand ich leider nicht auf Anhieb den richtigen Weg. Die Personen, die ich fragte, schickten mich mit ca. 20 Kilometer Umweg in die Wüste. Meine Landkarte half mir auch nicht sehr, denn der Maßstab 1:4 Mio (1cm = 40km) ist nicht zum Navigieren in Städten da.

Sobald ich das Niltal verließ, wurde es absolut trocken und die Landschaft immer grauer. Die Erwartungen an die Wüste wurden zudem noch dadurch getrübt, dass auf einer Spur der breiten Straße Müll und Schutt abgelagert wurden. Einzelne Bauten säumten die Straße und manchmal sah man ein paar kleinere Ölfelder auf denen gearbeitet wurde. Der Verkehr entsprach auch noch nicht einer einsamen Wüstenstraße. Zahlreiche Lastwagen überholten mich laut hupend mit einem sicheren Abstand. Erst nach ca. 100 Kilometern nahm die Dichte der Ölfelder ab und ich befand mich in der Wüste. So weit das Auge blicken konnte war nichts zu sehen, keine Erhebung, keine Sanddünen, nichts. Nur Schotter und ein wenig Sand. Die Hitze war durch den ständig wehenden Wind erträglich, aber meine angepeilten fünf Liter Wasser, die ich am Tag trinken wollte, hatte ich schon am Nachmittag aufgebraucht. Ein wenig reduzierte sich mein Wasserverbrauch, indem ich nur noch durch die Nase atmete und den Mund nur selten öffnete. Gegen fünf Uhr und nach 160 Kilometern war ich schon sehr müde und baute mein Zelt ein paar Meter neben der Straße auf, kochte noch eine Nudelsuppe und genoss den Sonnenuntergang. Von meiner Leistung war ich etwas enttäuscht, hatte ich mein angepeiltes Tagesziel von knapp 200 Kilometer doch weit verfehlt. Der erwartete Rückenwind kam doch zu sehr von der Seite und von vorne. Das bedeutete, dass ich am nächsten Tag über 230 Kilometer fahren müsste, um die Oase zu erreichen. Um sechs Uhr schlief ich schon ein und versuchte mich von dem anstrengenden Tag zu erholen.

Diesen Artikel teilen