interaktiv

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Chaos an Bord

Autor:
Benny

Rubrik:
auszeit nach dem abi

17.03.2008

Als wir schließlich an das Schiff kamen war es übervoll. Das ganze Schiff schien von einer wilden Meute belagert worden zu sein und alle versuchten, ihre Beute aus Ägypten mit in den Sudan zu nehmen. Männer rannten umher, Träger brachten noch das 24-teilige Topfset aus China mit an Bord und lagerten es neben den Plastikweihnachtsbäumen mitten im Gang ab.

Im Eingangsbereich sah ich Werners Fahrrad. Es war mit all seinen Taschen an die gegenüberliegende Einganstür gelehnt. Wir stellten unsere Sachen daneben und machten uns auf die Suche nach einem Platz für die 18-stündige Überfahrt. Auf dem Oberdeck fand ich schließlich Werner, der sich unter dem Rettungsboot einen Platz ergattert hatte. Neben ihm lag Ando Scholz. Rüdiger Nehberg Fans werden ihn vielleicht kennen. Er hat mit ihm zusammen den Blauen Nil befahren, als der dritte Mann Michael Teichmann in einem Gefecht mit feindlichen Stämmen im Kugelhagel starb. Darüber hinaus hat er noch einige andere Abenteuer bewältigt. Ich fand bei ihnen noch ein kleines Plätzchen und konnte dort recht gut die Nacht verbringen. Das Chaos auf und im Schiff ist wirklich schwer zu beschreiben. In den Gängen lagen Menschen, auf den Treppen saßen sie und der übrige Platz wurde mit Kisten, Koffern und Kartons voll gestellt.

Bei aufgehender Sonnen fuhren wir an Abu Simbel vorbei, welches auch schon von den Touristen in Beschlag genommen wurde. Von hier an dauerte es nur noch wenige Stunden, bis wir Wadi Halfa erreichten. Bevor wir aber das Schiff verlassen durften, wurden wir noch von der Polizei befragt, was wir im Sudan machen wollen und welche Adresse wir dort haben. Jeder gab eine auswendig gelernte Hotelanschrift in Khartoum an und die Polizisten waren zufrieden. Als Erste durften wir Radreisende schließlich das Boot verlassen. Ich betrat das elfte Land meiner Reise.

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