interaktiv

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Welcome Sudan

Autor:
Benny

Rubrik:
auszeit nach dem abi

20.03.2008

Vom Hafen aus waren es ungefähr zwei Kilometer in den Ort Wadi Halfa. Durch die Aufstauung des Nils ist das alte Wadi Halfa in den Fluten versunken. In sicherer Höhe ist ein neuer Ort entstanden, der den Anschein macht, nur von den wöchentlich Durchreisenden belebt zu werden. Ein bisschen kommt man sich wie im „Wilden Westen" vor, wenn man einen großen Bahnhof inmitten der Wüste sieht und ein paar hundert Meter weiter sich ein paar Häuser an einer imaginären Straße entlang schlängeln. Für uns hieß es gleich das Registrierungsbüro aufsuchen und die erste Bürokratie im Sudan zu erleben. Von einem Büro wurden wir ins Nächste geschickt, bekamen Formulare, mussten Passbilder abgeben, den Pass kopieren und irgendwann durften wir dann ins Büro vom Chef. Hier stand ein großer Fernseher, auf dem er über Satellit einen Pay-TV Kanal anschaute. Wenn das Fernsehprogramm es erlaubte und er nicht auf seinem Handy angerufen wurde, widmete er sich uns und füllte einen Interviewbogen aus. Danach nahm uns im nächsten Büro ein Beamter 27 US-Dollar ab und klebte genüsslich zehn Briefmarken auf den Bogen, die er vorher mit seiner Zuge befeuchtet hatte. Im nächsten Büro wollten diesmal zwei Beamte 8 US-Dollar und stempelten dafür einen weiteren Stempel in den Pass. Dann wurden wir noch ein weiteres Mal zum Chef geschickt. Mittlerweile schaute er sich die Premiere League Spiele vom letzten Wochenende an. Die schönen Briefmarken strich er zufrieden durch und unterschrieb auf dem Stempel im Pass. Danach wollte er wieder seine Ruhe haben und schickte uns mit den Worten „finish" nach draußen. Heute hatte er genug gearbeitet, um sich sein schönes Büro zu finanzieren. Nach nur zwei Stunden hatten wir es geschafft und waren im Sudan registriert.

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