interaktiv

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Krummdolche & Maschinengewehre

Autor:
Benny

Rubrik:
auszeit nach dem abi

21.05.2008

Ich selber habe Qat auf einer Hochzeit in der Nähe von Yarim ausprobiert. Als ich an einem großem Zelt vorbei fuhr, wurde ich von einigen Männern freundlich zum Essen und einer Hochzeit eingeladen. Hochzeiten im Jemen unterscheiden sich von Hochzeiten in Deutschland darin, dass Männer und Frauen getrennt voneinander feiern. Erst wurde gegessen und danach Bündel mit Qat und Wasserflaschen im Zelt verteilt. So saß ich in einer Ecke, stopfte mir den Mund mit Grünzeug voll, rauchte und trank Wasser. Immer wieder musste ich meinen Platz wechseln und mich zu anderen Gästen gesellen, die ein paar Worte mit mir wechseln wollten. Die Zigaretten hatten ihre Wirkung, doch vom Qat spürte ich nichts, außer dass ich eine dicke Backe bekam. Es war eine sehr nette Atmosphäre, die immer wieder von Maschinengewehrsalven unterbrochen wurde. Fast jeder Neuankömmling schoss mit seinem Gewehr in die Luft, bevor er das Zelt betrat.

Gegen 17 Uhr zählte ich 40 Männer, 40 Djambia Krummdolche, 20 Maschinengewehre und zirka 10 Luftgewehre. Mit Anbruch der Dunkelheit schaute auch die Polizei vorbei und prüfte meine Unterlagen. Irgendetwas schien nicht zu stimmen und so wurde die Menge um die Polizisten immer größer und schließlich sagten sie mir, dass ich ihnen in die nächste Stadt folgen und die Hochzeit verlassen müsste. Der Grund: hier könnten sie nicht für meine Sicherheit garantieren. Alles Diskutieren half nichts und um die Menge nicht weiter in Aufruhr zu bringen fügte ich mich meinem Schicksal. Man muss schließlich auch bedenken, dass fast alle Männer schwer bewaffnet waren. Ich fand das sehr schade, denn die Musik und der Tanz hätte ein wenig später begonnen. Am nächsten Tag fuhr ich die restlichen Kilometer bis nach Sana'a.

Diesen Artikel teilen