interaktiv

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Kraftlos hoch zum Pass

Autor:
Benny

Rubrik:
auszeit nach dem abi

02.07.2008

Am zweiten Tag ging es von 1.000 Meter hinauf zu einem 3.250 Meter hohen Pass. Ich weiß nicht, was an dem Tag mit mir los war, aber meine Kräfte waren nicht da. Kraftlos und mit zahlreichen Pausen quälte ich mich die steile Straße hinauf. In einem kleineren Dorf war ich wieder von zahlreichen Kindern umgeben, die mich begleiten wollten. Durch die Erschöpfung hatte ich keine Lust auf Kommunikation und auch nicht auf sonstige Gesellschaft. Aber es half nichts, ich wurde sie nicht los. Ein Junge meinte, er würde auch in den nächsten 15 Kilometer entfernten Ort radeln. Ich freute mich zuerst nicht so sehr über diese Nachricht.

Dies änderte sich allerdings, als er erkannte, dass ich am Ende meiner Kräfte war und er begann alle Kinder, die an die Straße gerannt kamen zu motivieren, mich anzuschieben. Die Kinder hatten so gar keine Gelegenheit mehr, nach Geld oder anderen Dingen zu fragen, denn sie mussten mich anschieben. Immer wieder feuerte er die Kinder an: „Puusch, Puusch!!!" Es war eine große Erleichterung, aber dennoch anstrengend für mich. Er selber radelte auch immer wieder ein paar Meter voraus, stellte sein Fahrrad ab, lief zu mir hinunter und schob mich ein paar Meter an. Drei Stunden später erreichte ich völlig ermattet den nächsten größeren Ort und nahm mir ein Zimmer im ersten Hotel. Zur Belohnung lud ich den Jungen zum Abendessen ein. Er ließ sich das Volksgericht „Tipps", ein großer leicht säuerlicher Pfannkuchen, mit in Butter gebratenen Fleischstückchen, schmecken. Ich allerdings hatte Mühe, ein paar Bissen hinunter zu bekommen, zu ausgelaugt war mein Körper. Erst am nächsten Morgen hatte ich wieder Appetit und stärkte mich mit Nudeln.

Am folgenden Tag fuhr ich den restlichen Pass hinauf und füllte fast an jedem Restaurant am Wegesrand meine Reserven auf. Meine ursprünglichen Kräfte waren noch lange nicht wieder voll da, aber langsam kam ich dann doch ans Ziel.

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