interaktiv

Praktikum im Ausland

Was bisher geschah

Autor:
Christoph

Rubrik:
studium

24.08.2015

Ich bin Christoph, 20 Jahre alt und aus Stein bei Nürnberg. Ich studiere im fünften Semester Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Im kommenden Wintersemester steht das praktische Studiensemester an, das ich bei der bayerischen Staatskanzlei in Brüssel absolvieren und für das ich das kommende halbe Jahr im Ausland verbringen werde. Doch der Reihe nach!

Meine Schullaufbahn verlief relativ normal. Vier Jahre Grundschule, dann der Übertritt aufs Gymnasium und keine Ahnung, was danach einmal folgen sollte. Doch wer wusste das damals schon? Aber noch waren ja im besten Fall acht Jahre Zeit, um einen Plan zu entwickeln. Nach verschiedenen Praktika zur Berufsorientierung, die ich alle eher im wirtschaftlichen Bereich bei größeren Firmen machte, stand für mich schnell fest: Das ist nichts für mich!
Aber was dann? Ich überlegte, wofür ich mich eigentlich interessiere, und kam immer wieder auf ein Ergebnis: Sport, vor allem Fußball. So reifte in mir der Traum, eines Tages Sportjournalist zu werden und über die großen Sportereignisse in der Welt zu berichten. Arbeiten und dabei richtig Spaß zu haben; sozusagen das Hobby zum Beruf machen.
In den verbleibenden vier Jahren Schulzeit arbeitete ich also mit Hochdruck daran, einen für das Studium genügenden Abiturschnitt zu erreichen. Ich hatte nach intensiver Recherche den Studiengang Ressortjournalismus in Ansbach ausfindig gemacht, den es noch nicht lange gab. Es ist einer der wenigen derartigen Studiengäne in Deutschland, der eine Möglichkeit zur Spezialisierung auf Sportjournalismus ermöglicht und dafür keine hohen Gebühren verlangt, wie es an einigen Privathochschulen der Fall ist. Und mein Plan ging auf. Ich bestand das Abitur mit einem Schnitt von 2,2 und erhielt nach zwei bangen Monaten des Wartens eine Zusage.
Nach drei Semestern Grundausbildung folgte dann im letzten Semester die Schwerpunktwahl, womit das Studium für mich gefühlt erst richtig begann. Nebenbei machte ich meine ersten journalistischen Erfahrungen und berichtete etwa für den „Szene Extra!“-Teil der Nürnberger Nachrichten über verschiedene Themen am Studienstandort Ansbach.

Und jetzt das praktische Studiensemester in Brüssel. Kenner der Szene, die den Text bis hierhin aufmerksam gelesen haben, würden vermutlich auf ein Praktikum beim RSC Anderlecht, dem ortsansässigen Fussballverein tippen. Wer mich selbst vor einem Jahr gefragt hätte, hätte wahrscheinlich genau diese Antwort bekommen, weil ein halbes Jahr im Ausland für mich damals noch unvorstellbar war. Weg von zu Hause, in ein fremdes Land, in dem eine Sprache gesprochen wird, die ich nicht verstehe. So was kam nicht in Frage.
Schon vor eineinhalb Jahren verschickte ich die ersten Bewerbungen an unzählige Unternehmen, an PR-Abteilungen von Sportvereinen und an große Sportsender im Fernsehen. Doch zurück kamen durchweg Absagen. Sportjournalismus ist ein hart umkämpftes Feld mit vielen Bewerbern – das lernte ich spätestens jetzt – in dem es selbst für ein Praktikum sehr schwer ist, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Als vor vier Monaten Verzweiflung und Panik fast ihren Höhepunkt erreicht hatten, erfuhr ich zufällig von der Möglichkeit, das Praxissemester bei der bayerischen Staatskanzlei zu absolvieren, die gezielt Studierende aus Ansbach suchte, da sie mit ihnen gute Erfahrungen gemacht hatte. Ursprünglich hatte ich mich für die Zentrale in München beworben, doch sie suchten auch noch einen Praktikanten für die Vertretung bei der EU in Brüssel und boten mir diese Stelle an. Nach kurzem Überlegen sagte ich zu.

Meine Ansichten haben sich im vergangenen Jahr verändert. Ein halbes Jahr im Ausland halte ich nun für eine gute Erfahrung, die sich im Lebenslauf nicht schlecht macht. Der Sport bleibt zwar zunächst auf der Strecke, doch bei der Arbeit im seriösen Politikgeschäft kann ich mit Sicherheit auch viel lernen. In welchem Feld ich später einmal arbeite, ist damit aber noch nicht entschieden – oder in der Fußballsprache gesagt: Es ist ein kurzes Auswärtsspiel in Brüssel.

 

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