interaktiv

Praktikum im Ausland

Demo auf belgische Art

Autor:
Christoph

Rubrik:
studium

23.09.2015

Für den Montag dieser Woche war schon seit Langem eine große Demonstration in Brüssel angekündigt. Tausende europäische Landwirte wollten zeitgleich zur Konferenz der 28 EU-Agrarminister gegen die sinkenden Milchpreise in der Landwirtschaft demonstrieren. Unsere genauen Informationen dazu variierten jedoch von Tag zu Tag, doch grob wurden 5.000 Landwirte mit circa 500 Traktoren erwartet. Schnell war klar, dass es ein Verkehrschaos geben würde.

Wenige Tage zuvor startete eine ähnliche Demonstration der deutschen Bauern in München. Auf dem Odeonsplatz und vor der bayerischen Staatskanzlei, unserer übergeordneten Behörde, flogen Milchtüten und Milchpulver. Im Anschluss mussten die durch die Traktoren verschmutzten Straßen in der Innenstadt stundenlang gesäubert werden. Es sollte also auch bei uns ein interessanter Tag werden und das gesamte Praktikantenteam fieberte dem gespannt entgegen.

Mein täglicher Weg zur Arbeit führt am „Schuman“, dem Platz der EU-Institutionen vorbei, der an diesem Tag für die Demonstranten gesperrt war. Die U-Bahn hielt nicht an und auf der Straße waren Stacheldrahtzäune als Barrikaden aufgebaut. Schon morgens um halb acht war der Platz voller Polizisten. Doch noch konnte ich den Platz ohne Probleme passieren.

Auf dem gesamten Gelände unserer Vertretung lag ein Geruch wie in einer Silvesternacht, was viele von uns dazu bewegte, auf die Straße zu schauen. Hinter dem Zaun brannte im wahrsten Sinne des Wortes der Baum. Die Demonstranten hatten Reifen auf die Straße geworfen und angezündet. Die belgische Polizei reagierte entspannt – meine deutschen Kollegen und ich fanden das hingegen ziemlich krass. Wir sollten lieber wegbleiben, wenn wir unsere Klamotten sauber halten wollen, sagte uns ein Polizist freundlich. Die Demonstranten würden hineinwerfen, was ihnen in die Finger kommt. Ein anderer scherzte, dass das der Grund sei, warum Polizisten zehn Jahre früher sterben würden. Die Stimmung war trotz der scheinbar angespannten Lage immer ruhig und freundlich.

Auf dem Nachhauseweg am Abend, als der große Rummel schon vorbei schien, brannten die Barrikaden am Schuman-Platz noch immer. Am Ende kam ich sicher zu Hause an; die Polizeihubschrauber kreisten allerdings noch lange über der Stadt. Dieser Tag wird mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben, so etwas habe ich zu Hause noch nicht erlebt.

Diesen Artikel teilen