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Praktikum im Ausland

Der erste Monat

Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Seit mittlerweile sechs Wochen bin ich hier in Brüssel. Gerade bin ich noch vollbepackt auf der Suche nach meiner kleinen Wohnung durch die Stadt geirrt, und nun ist ein Monat meines Praktikums vorbei. Meine Arbeit bei der Vertretung der bayerischen Staatskanzlei gefällt mir wirklich sehr. Ich bin super in das Team aufgenommen worden und längst im Arbeitsalltag angekommen.

Derzeit wird alles vom bevorstehenden Oktoberfest in Brüssel überstrahlt. Mittlerweile sind es nur noch zwei Wochen bis zum großen Eröffnungstag. Kommt der Ministerpräsident? Welche Minister bringt er mit, und welche EU-Kommissare kommen mit ihrem Kabinett? Wo sitzt wer und wie viele Tische passen überhaupt in das genehmigte Zelt? Wo kann man vielleicht noch ein paar Plätze schaffen und somit alle knapp 2.000 Gäste gesichert unterbringen? Das ist nur eine kleine Auswahl der Fragen, die uns derzeit beschäftigen. Eins ist sicher, die nächsten zwei Wochen haben es in sich, doch genau das wünscht man sich doch bei einem Praktikum. Kaffee kochen kann jeder!

Besonders amüsiert haben mich in der letzten Woche die Anfragen von verschiedenen Leuten. Da der Eröffnungsabend auf Einladung des Ministerpräsidenten Horst Seehofer stattfindet und zudem kostenlos ist, sind die Plätze sehr begehrt. Neben den unglaublich vielen Ab- und natürlich Zusagen erreichen uns auch zahlreiche Anfragen von Leuten, die in diesem Jahr keine Einladung erhalten haben. Trotzdem läuft natürlich auch der Normalbetrieb weiter, so dass wir in der vergangenen Woche vier Veranstaltungen im Haus hatten. Dazu muss ich Berichte schreiben, Bilder hinzufügen oder eventuell Fotostrecken einfügen.

Doch es gibt auch negative Momente. Diese Woche heißt es zum ersten Mal Abschied nehmen, denn der Praktikantenwechsel steht bevor. Von unseren zehn Plätzen werden sieben neu vergeben. In unserem Großraumbüro, fernab von allen andern lernt man sich in der kurzen Zeit sehr gut kennen. Die meisten bleiben aber nur vier Wochen. Ich werde also wieder viele neue Gesichter kennen lernen und mich fast schon als „alter Hase“ fühlen, der den neuen Praktikanten bei der Eingewöhnung hilft.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  Oct 1, 2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
Oct 1, 2015

Praktikum im Ausland

Demo auf belgische Art

Für den Montag dieser Woche war schon seit Langem eine große Demonstration in Brüssel angekündigt. Tausende europäische Landwirte wollten zeitgleich zur Konferenz der 28 EU-Agrarminister gegen die sinkenden Milchpreise in der Landwirtschaft demonstrieren. Unsere genauen Informationen dazu variierten jedoch von Tag zu Tag, doch grob wurden 5.000 Landwirte mit circa 500 Traktoren erwartet. Schnell war klar, dass es ein Verkehrschaos geben würde.

Wenige Tage zuvor startete eine ähnliche Demonstration der deutschen Bauern in München. Auf dem Odeonsplatz und vor der bayerischen Staatskanzlei, unserer übergeordneten Behörde, flogen Milchtüten und Milchpulver. Im Anschluss mussten die durch die Traktoren verschmutzten Straßen in der Innenstadt stundenlang gesäubert werden. Es sollte also auch bei uns ein interessanter Tag werden und das gesamte Praktikantenteam fieberte dem gespannt entgegen.

Mein täglicher Weg zur Arbeit führt am „Schuman“, dem Platz der EU-Institutionen vorbei, der an diesem Tag für die Demonstranten gesperrt war. Die U-Bahn hielt nicht an und auf der Straße waren Stacheldrahtzäune als Barrikaden aufgebaut. Schon morgens um halb acht war der Platz voller Polizisten. Doch noch konnte ich den Platz ohne Probleme passieren.

Auf dem gesamten Gelände unserer Vertretung lag ein Geruch wie in einer Silvesternacht, was viele von uns dazu bewegte, auf die Straße zu schauen. Hinter dem Zaun brannte im wahrsten Sinne des Wortes der Baum. Die Demonstranten hatten Reifen auf die Straße geworfen und angezündet. Die belgische Polizei reagierte entspannt – meine deutschen Kollegen und ich fanden das hingegen ziemlich krass. Wir sollten lieber wegbleiben, wenn wir unsere Klamotten sauber halten wollen, sagte uns ein Polizist freundlich. Die Demonstranten würden hineinwerfen, was ihnen in die Finger kommt. Ein anderer scherzte, dass das der Grund sei, warum Polizisten zehn Jahre früher sterben würden. Die Stimmung war trotz der scheinbar angespannten Lage immer ruhig und freundlich.

Auf dem Nachhauseweg am Abend, als der große Rummel schon vorbei schien, brannten die Barrikaden am Schuman-Platz noch immer. Am Ende kam ich sicher zu Hause an; die Polizeihubschrauber kreisten allerdings noch lange über der Stadt. Dieser Tag wird mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben, so etwas habe ich zu Hause noch nicht erlebt.

Autor: Christoph  |  Rubrik: studium  |  Sep 23, 2015
Autor: Christoph
Rubrik: studium
Sep 23, 2015

Praktikum im Ausland

Der erste Eindruck

Nun war er also gekommen, der erste Tag meines Praktikums bei der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU. Morgens meldete ich mich an der Pforte und wurde sofort von der zuständigen Mitarbeiterin freundlich begrüßt und durchs Haus geführt. Die Sommerpause, die in der Politik im August stattfindet, war gerade erst zu Ende gegangen. Viele Referatsleiter und auch alle anderen neuen Praktikanten kamen erst zum 1. September zurück in die Vertretung. Es war also ziemlich ruhig und meine erste Aufgabe bestätigte jedes Vorurteil über Praktika: Ich durfte Briefe falten, in einen Umschlag stecken und nach Adressaten sortieren. Hintergrund ist das bald stattfindende Oktoberfest in Brüssel, das die Bayerische Vertretung alle zwei Jahre ausrichtet und das die beliebteste Veranstaltung in ganz Brüssel sein soll, was mir durch viele Reaktionen so auch schon bestätigt wurde.

In Brüssel wird der Freistaat Bayern – genauso wie alle anderen Bundesländer und viele Regionen Europas – vertreten. Jedes Ministerium schickt einen Referenten nach Brüssel, der von dort über die Geschehnisse bei der Europäischen Union berichtet. Ich wurde, anders als die anderen Praktikanten, keinem der Ministerien zugeordnet. Mein Schwerpunkt liegt auf der Betreuung des Internetsauftritts, dem Schreiben von Berichten über Veranstaltungen, dem Anlegen von Fotostrecken und auch dem Mithelfen bei der Organisation von Veranstaltungen. Also war das Eintüten der Einladungen ja gar nicht so verkehrt.

Nach wenigen Tagen Anlaufzeit stand dann auch schon die erste Veranstaltung an: Die Hanns-Seidel Stiftung richtete in unserem Haus eine abendliche Podiumsdiskussion zum Thema „Multilateralismus – Die EU bei der UNO“ aus. Viele ehemalige EU-Botschafter der UNO erzählten von ihren Erfahrungen und Erlebnissen. Die Diskussion war wirklich sehr interessant und ich hielt alles schriftlich fest, um am nächsten Tag meinen ersten Artikel zu verfassen. Zum Abschluss des Abends gab es eine bayerische Spezialität: Nürnberger Bratwürste mit Sauerkraut und Senf. Für einen Franken beim Freistaat Bayern am ersten Abend ein Traum! Ich war endgültig in Brüssel angekommen und war mir sicher, ich hatte alles richtig gemacht.

Autor: Christoph  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 16, 2015
Autor: Christoph
Rubrik: orientieren
Sep 16, 2015