interaktiv

Praktikum im Ausland

Auf den zweiten Blick

Autor:
Lea

Rubrik:
orientieren

05.10.2015

Mir kommt es zwar immer noch so vor, als sei ich erst gestern hier angekommen, dabei habe ich schon zwei Wochen im bolivianischen Projekt „Yachay Mosoj“ hinter mir. Ich habe mich hier relativ schnell zurechtgefunden. Von der Höhenkrankheit als auch von einem größeren Kulturschock wurde ich verschont. Dass dauernd Hunde überall hereinschauen und herumschnüffeln ist irgendwie keine große Überraschung für mich, nachdem ich das bei meinen Indien-Reisen schon beobachten durfte. Immerhin werden die Straßenhunde hier einmal im Jahr geimpft und anschließend zur besseren Erkennung mit farbigen Halstüchern versehen.

Auch an die öffentlichen Verkehrsmittel habe ich mich schon gewöhnt. Hier fahren kleine Stadtbusse, genannt „Micros“, kreuz und quer durch ganz Potosì. Nur halten sie sich an keinen festen Fahrplan und auch an keine bestimmten Haltestellen. Jeder weiß schließlich Bescheid, welche Linie die gewünschte Route abfährt. Möchte man einsteigen, stellt man sich einfach an den Straßenrand und hebt rechtzeitig den Arm. Möchte man aussteigen, macht man den Busfahrer darauf aufmerksam und zahlt den Standardpreis, eineinhalb Bolivianos. Mittlerweile weiß ich, welche Linien vom Zentrum zum Projekt hochfahren. Von meiner Unterkunft aus kann ich aber auch bequem ins Stadtzentrum laufen. Die Straßen hier in Potosì sind ziemlich überfüllt und wahnsinnig laut. Außerdem hält es niemand für nötig, sich anzuschnallen. In vielen Taxis sucht man vergeblich nach Sicherheitsgurten.

Auch das Klima ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ich trage morgens und spät abends immer zwei Pullis übereinander und schlafe nachts unter drei Woll- und einer Daunendecke. Tagsüber hingegen kann ich unter der starken Sonneneinstrahlung sogar im T-Shirt herumlaufen. Diesem starken Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht wurde interessanterweise die Konstruktion der Häuser hier angepasst. Oft bestehen große Flächen eines Gebäudes komplett aus Glas, sodass sich das Innere tagsüber durch den Treibhauseffekt aufheizt und die Wärme über Nacht gespeichert werden kann. Das Ganze ist erstaunlich effizient. Da spart man sich gleich die Heizung.

Auf den ersten Blick mag Potosì etwas karg wirken. Doch das Erste, was ich nach dem Aufstehen sehe, ist die Gebirgskette der Anden, die die Stadt umrahmt. Diese Aussicht ist einfach atemberaubend. Besonders an Festtagen offenbart sich die farbenfrohe Kultur mit ihrer traditionellen Kleidung, der Musik und den Tänzen. Was ich hier am meisten zu schätzen weiß, sind die offenherzigen, gastfreundlichen Menschen und all ihre verschiedenen Geschichten.

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