interaktiv

Praktikum im Ausland

Eine unangenehme Situation

Autor:
Christoph

Rubrik:
studium

08.10.2015

Brüssel hat eine hohe Kriminalitätsrate. Das wurde mir gleich am ersten Tag bei der Praktikanteneinführung gesagt. Man werde nicht gleich umgebracht, trotzdem könne es schon einmal passieren, dass man überfallen und ausgeraubt würde. Auch Wohnungseinbrüche wären nichts Ungewöhnliches. Am besten nachts nicht alleine in verlassenen Gegenden unterwegs sein und generell Vorsicht walten lassen, waren die gutgemeinten Tipps.

Viele meiner Kollegen gehen nur noch ohne Wertgegenstände aus dem Haus oder fahren abends nicht mehr alleine in der Metro. Ich hingegen bildete mir ein, mit meinem nicht gerade schmächtigem Körperbau und Auftreten vermutlich nicht das erste Ziel solcher Angriffe zu sein. In den ersten zwei Wochen meines Auslandsaufenthaltes hier, als mein Praktikum noch nicht begonnen hatte, war ich ausschließlich allein unterwegs und kam auch oft erst spät nach Hause. Nach der Ansprache wurde ich jedoch vorsichtiger.

Heute Morgen, dem ersten Tag nach dem Wochenende, hatte ich etwas verschlafen. Ich machte mich schnell fertig und lief zur Arbeit. Plötzlich stand ein Mann vor mir, versperrte mir den Weg und sprach mich an. Woher ich komme, und ob ich gerade auf dem Weg in die Arbeit sei, fragte er und schmeichelte mir, dass ich gut Englisch spreche, was nach meiner eigenen Einschätzung aber nicht der Fall ist. Ich war etwas verwirrt. Mein Gegenüber hatte beide Hände in seiner Jackentasche versteckt, was mich unsicher machte und mir anscheinend auch anzusehen war. Ich sollte mir keine Sorgen machen, er würde mir nichts tun und wollte nur reden. Doch das verunsicherte mich nur noch mehr. In der sonst so gut besuchten Straße war in meiner Wahrnehmung auf einmal fast nichts mehr los. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Der Mann war etwas größer als ich, und kräftig gebaut und kam immer näher auf mich zu. Mit einem Blick auf die Uhr deutete ich an, dass ich wenig Zeit hätte und schnell weiter müsse. Natürlich alles nur ein Vorwand, da ich keine festen Arbeitszeiten habe und es keine Rolle spielt, wann ich morgens im Büro bin. Doch komischerweise funktionierte es. Der Mann machte den Weg frei und ging weiter. Das ist gerade noch einmal gut gegangen!

Vielleicht hört sich die Geschichte völlig harmlos an und vielleicht wollte sich der Mann tatsächlich nur ein wenig unterhalten. Allerdings war mir die Situation nicht wirklich geheuer, und ich war froh als ich in der Arbeit angekommen war.

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