interaktiv

Praktikum im Ausland

Das Jobangebot

Autor:
Manuel

Rubrik:
orientieren

26.11.2015

Mitten im Konvertieren von Videos und Moderieren der Webinare fragte mich unsere Managerin, ob ich fünf Minuten Zeit hätte. Die sonst so freundliche Dame hörte sich in diesem Moment ziemlich ernst an und ich fragte mich schon, ob ich irgendetwas vermasselt hatte. In ihrem Büro erklärte sie mir, dass es wegen des Krankheitsausfalls einer Kollegin den Plan gäbe, eine Arbeitskraft für drei Tage pro Woche einzustellen. Doch statt jemanden neuen einzuarbeiten, würde sie mir gerne einen Vertrag für ein Jahr anbieten: eine Festanstellung in der Bildungsabteilung, jedoch mit 80 Prozent administrativen Aufgaben.

Dementsprechend verbrachte ich das Wochenende mit Grübeln. Ich rief meine Freunde und meine Familie an und teilte ihnen erst einmal die freudige Neuigkeit mit, dass mir hier eine tolle Chance angeboten wurde. Aber mehr und mehr schien es mir, als ob das Angebot gerade nicht das Passende sei. Am Samstag kam eine nette Grußkarte meiner Mutter an. Sie wies mich darauf hin, dass in unserem Dorf viele Flüchtlinge untergebracht sind und deren Kinder den örtlichen Kindergarten besuchen. Obendrein waren dann da die Geschehnisse in Paris sowie die Info, dass mein Vater vielleicht am Burnout-Syndrom leidet. Das alles sagte mir, dass es daheim genügend Herausforderungen und vielleicht eine Rolle und Aufgabe für mich geben könnte – auch wenn diese nicht mit einem Gehalt, ordentlichen Arbeitszeiten und anderen Spesen vergütet werden würden.

Ich hatte meine Entscheidung noch nicht getroffen, als meine Managerin mich, eine halbe Stunde nachdem ich die Nachricht über den Gesundheitszustand meines Vaters gehört hatte, abpasste. Spontan und meiner Intuition folgend legte ich ihr oben Genanntes dar und lehnte das Angebot schließlich ab. Normalerweise ist das der Zeitpunkt, an dem man in Gehaltsverhandlungen einsteigt, denn wer ein Jobangebot erhalten hat, ist gefragt und das Unternehmen an einem interessiert.

Zu guter Letzt war der Kommentar meiner Kollegin im Supermarkt sehr einprägend, als sie meinte, dass in meinem Alter ein Leben auf der Insel langweilig sei und ich nicht in einem Büro sondern im Feldeinsatz unterwegs sein sollte. Daher freue ich mich nun auf neue Herausforderungen und zwischenmenschliche Interaktion daheim. Und die Jobsuche wird fortgesetzt!

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