interaktiv

Praktikum im Ausland

Der Cerro Rico

Autor:
Lea

Rubrik:
orientieren

13.01.2016

An einem schönen Sonntagmorgen trafen wir uns pünktlich um sieben Uhr zu einem zweiten kleinen Abenteuer, ebenfalls bei den NAT's. Mit von der Partie: der andere deutsche Volontär, eine spanische Volontärin und zwei bolivianische Studenten. Unser Weg führte uns diesmal nicht am Cerro Rico vorbei, sondern direkt an seinen Fuß. Von dort aus hieß es den Berg hinauf wandern. Für uns arme Europäer gestaltete sich das recht anstrengend, schließlich starteten wir von 4.500 Metern zu einem Anstieg über 300 Höhenmeter. Alavro und Luis unsere „Fremdenführer“ machten es uns durch ihre Wahl des Weges nicht gerade einfacher. Anstatt die offiziellen Wege zu nehmen, stiegen wir die meiste Zeit über Geröll und lockere Erde den kürzesten Weg – steil und in einer geraden Linie – den Berg hoch.

Der Cerro Rico ist zudem nicht gerade schön zum Wandern. Durch die Jahrhunderte lange Minenarbeit besteht er gefühlt nur noch aus Geröll, Sand und Staub und natürlich aus Stollen, die zum Teil stillgelegt sind. Es gibt kaum Pflanzen und erst recht keine Bäume, die einem vielleicht ein wenig Schatten vor der gnadenlosen Sonne spenden könnten. Die einzige Pflanze die wir sahen war ein stacheliger Strauch mit einer roten Blume, von der Alvaro mir erzählte, sie würde als Medizin genutzt. Angeblich produziere die Pflanze eine Art Lutschbonbon im Inneren ihrer Blüte, die man gerne Kinder gebe. Als ich fragte wogegen das helfe, meinte er gegen alles.

Auf unserem Weg begegneten wir zwei Viscachas. Das sind Tiere, die aussehen wie eine Mischung aus Kaninchen und Ratte mit einem Schuss Chinchilla. Je höher wir kamen, desto öfter machten wir die Bekanntschaft mit dem Chiri Wayra, zu Deutsch kalter Wind, wie man dieses frische Lüftchen des Cerro Rico passenderweise auf Quechua benannt hat. Nur blieb es nicht bei dem Lüftchen. Ab einer bestimmten Höhe pfiffen uns die Böen um die Ohren. Doch davon ließen wir uns nicht aufhalten und erreichten sicher den Gipfel, wo uns eine großartige Aussicht erwartete. Ich hatte welche von den selbstgemachten Lebkuchen mitgebracht, die wir dort knabberten, während wir den Anblick der umliegenden Bergketten genossen. Nach ein paar Fotos machten wir uns direkt wieder an den Abstieg. Der fiel für die Lungen zwar erholsamer aus, als der Aufstieg, dafür ließen die Muskeln mit jedem Schritt nach. Nach der ganzen Aufregung war ich froh, wieder mein Bett zu erreichen und ein paar Stunden Beine und Lunge schonen zu können.

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