interaktiv

Praktikum im Studium

Wenn einem die Welt offensteht

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

26.09.2016

Vor einem Jahr bin ich nach Erfurt gezogen, um dort „Internationale Soziale Arbeit“ im Master zu studieren. Das Gefühl, die Welt stünde mir offen, kam gleich in den ersten Wochen des Studiums auf. Pflichtteil meines Studiengangs ist es, ein Praktikum zu machen. Es soll im Ausland stattfinden und irgendetwas mit sozialer Arbeit zu tun haben. Alles scheint möglich. Am Anfang war das Gefühl, unbegrenzte Möglichkeiten zu haben, toll, dann hat es mich ein bisschen überfordert.
Immerhin musste ich keine Pfeile auf eine Landkarte werfen, weil mir schon zu Studienbeginn klar war, dass ich nach Osteuropa will, um dort mit Betroffenen von Menschenhandel zu arbeiten. Ich wollte an die Orte gehen, an denen Menschenhandel anfängt. Städte in Rumänien oder Bulgarien, am liebsten aber Russland. Organisationen, die sich mit der Thematik beschäftigen, habe ich viele gefunden. Ich habe sie alle angeschrieben, Bewerbungen und Anfragen losgeschickt. Antworten kamen nicht ganz so viele zurück. Nach einigen Absagen und Nichtantworten wollte ich mich nicht lange rumärgern.
Letztlich bin ich die Suche ganz anders angegangen als ich es geplant hatte. Ich hatte mich bei einer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit beworben. Die Organisation „Hilfe für Brüder“ bietet unter anderem das Programm „ChanceMent“ an, bei dem sie Studierende als Praktikanten an ihre Partnerorganisationen vermittelt. Nachdem ich mich dort beworben hatte, ging auf einmal etwas voran. Eine Praktikumsstelle war schnell gefunden. Allerdings musste ich mich von meinen beiden Träumen verabschieden: Osteuropa und Arbeit mit Betroffenen von Menschenhandel. Stattdessen: Ostafrika und verstoßene Frauen.
In einem Monat werde ich also nach Uganda gehen und dort fünf Monate lang ein Praktikum in der Schwangerschaftsbetreuung von Wakisa Ministries in Kampala machen. Die Organisation arbeitet mit Frauen und Mädchen, die wegen einer Schwangerschaft von ihrer Familie verstoßen wurden. Meine Aufgabe wird es sein, die Arbeit von Wakisa Ministries zu evaluieren. Mein erstes größeres Forschungsprojekt. Allein. Im Ausland. Ich bin ein wenig aufgeregt und stecke aktuell mitten in den Vorbereitungen. Mal sehen, was so passieren wird. Wenn ich daran denke, dass ich bald in einem Land leben werde, in das es mich nie gezogen hat, um dort eine Arbeit zu tun, über die ich noch nicht so viel weiß, werde ich ein bisschen nervös. Aber so ist das wohl, wenn man sich in die weite Welt wagt.

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