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Praktikum im Studium

Unterwegs in Uganda

Die ugandische Natur gefällt mir sehr. Lässt man Autos, Lärm und Menschenmassen der Großstadt hinter sich, wird es schlagartig grün und ruhig. In den Kleinstädten und auf den Dörfern ist alles langsamer und entspannter als in der trubeligen Hauptstadt Kampala.
Bisher haben mich meine Ausflüge nach Entebbe, Jinja, Mbarara im Westen und zu den Sipi Falls im Osten gebracht. Entebbe ist nicht weit von Kampala entfernt und wunderschön am Viktoriasee gelegen. Das Ufer ist durch unzählige Palmen sehr grün und da der See riesig ist, fühlt es sich an, als wäre man am Meer. In Jinja entspringt der Weiße Nil, Quellfluss des längsten Stroms der Welt, dem Nil. 90 Tage wird es dauern, bis das Wasser, in dem ich geschwommen bin, in Ägypten angekommen ist. Jinja ist eine Touristenstadt für Leute wie mich, die die Quelle des Nils sehen oder gar aufregende Aktivitäten wie Wildwasserrafting machen wollen.
Auf der Fahrt nach Mbarara habe ich nicht nur den Äquator überquert, sondern auch ehemalige Wakisa-Mädchen getroffen und interviewt. Die Aufgabe meines Auslandspraktikums besteht ja darin, herauszufinden, wie es denjenigen ergangen ist, die nach ihrer Zeit bei Wakisa – ein Beratungszentrum für Frauen, die aufgrund einer Schwangerschaft von ihrer Familie verstoßen wurden – wieder auf eigenen Beinen stehen. Als ich in den Tagen in Mbarara doch mal einen freien Nachmittag hatte, konnte ich ein bisschen rausfahren und habe Zebras, Affen und Antilopen gesehen.
Am letzten Tag meiner Reise hat mich ein Pfarrer in ein Flüchtlingscamp mitgenommen. Was als „Flüchtlingscamp“ bezeichnet wird, würde ich eher „Flüchtlingsstadt“ nennen. Das „Nakivale Refugee Settlement“ gibt es schon etwa seit den 50er-Jahren. Genug Zeit, um städtische Strukturen entwickeln zu können, denn in Nakivale gibt es Schulen, Kirchen, Kneipen, Taxis und Geschäfte. Eigentlich sieht es aus, wie andere Kleinstädte in Kampala, dennoch ist es eine Parallelwelt.
Voriges Wochenende bin ich in den Osten bis fast an die Grenze Kenias gefahren, zu den Sipi Falls. Da gerade Trockenzeit ist, haben die Wasserfälle nur wenig Wasser geführt. Ich habe die Wanderung durch die ugandische Berglandschaft dennoch sehr genossen.
Jetzt bin ich zurück in Kampala und damit schon im Endspurt meines Aufenthalts in Uganda. Sechs Wochen liegen noch vor mir – und die Zeit rast.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  Feb 9, 2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
Feb 9, 2017

Praktikum im Studium

Matooke oder Käsebrot?

Weihnachten und Silvester sind vorbei. Beides hat sich irgendwie „falsch“ angefühlt, was schlicht daran lag, dass es hier in Uganda so heiß war. Die Weihnachtstage waren die heißesten seit meiner Ankunft und es war unmöglich, in die passende Stimmung zu kommen. Das neue Jahr hat mit einem Stromausfall in der Kneipe, in der ich war, begonnen. Stromausfälle gibt es hier häufiger, ausgerechnet um Mitternacht an Silvester war es aber besonders lustig. Gestern erreichte mich mit ein wenig Verspätung das Weihnachtspäckchen meiner Eltern. Die Plätzchen meiner Mama kamen bei meinen ugandischen Freunden unheimlich gut an und ehe ich protestieren konnte, waren alle aufgegessen. Glücklicherweise hatte ich die Lebkuchen und Marzipankartoffeln versteckt, sodass ich die ganz alleine genießen kann.
Die Ugander essen nicht nur gerne deutsche Weihnachtsplätzchen, sondern generell gerne, viel und kohlehydrat- und fettlastig. Mittags esse ich immer auf der Arbeit bei Wakisa und bin beeindruckt, welche Mengen die Mädchen und meine Kolleginnen verspeisen können, ohne völlig übergewichtig zu sein. Über die Größe meiner Portion wird entweder der Kopf geschüttelt oder gar laut protestiert, weil es viel zu wenig sei.
Das Nationalessen Ugandas ist Matooke, ein Brei aus gedünsteten Bananen, der ähnlich wie Kartoffelbrei schmeckt. Dazu gibt es üblicherweise eine unheimlich leckere Erdnusssoße. Bei Wakisa werden jeden Tag Bohnen gekocht, dazu wahlweise Matooke, Posho (ein sehr sättigender Brei aus Maismehl), Kartoffeln oder Reis, zusätzlich entweder Kohl oder Auberginen. Mein Lieblingsessenstag ist Freitag, denn dann werden Chapati zubereitet. Das sind eine Art Pfannkuchen, die in viel Fett gebacken werden. Aus ihnen wird auch das beste Straßenessen der Welt gemacht: Rolex. Für Rolex braucht man ein Chapati, das man mit einem Omelett aus Eiern, Tomaten, Zwiebeln und Kohl füllt. Was für mich eine vollwertige Mahlzeit ist, zählt bei den Ugandern nur als kleiner Snack.
Einzig Brot, Käse und Schokolade fehlen mir. Gutes Brot gibt es nicht und Käse und Schokolade sind unbezahlbar. Wenn ich zurück nach Deutschland komme esse ich als erstes ein Käsebrot!

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  Jan 17, 2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
Jan 17, 2017

Praktikum im Studium

Hochzeit auf Luganda

Hochzeit auf Luganda heißt „Embagga“ – und ich durfte nun an einer teilhaben. Der Sohn meiner lieben Vermieter hat geheiratet und es fanden drei Events statt, um dies angemessen zu feiern. Das erste hieß „Kuhingira“, zu Deutsch Vorstellung. Die Braut wird eine Woche vor der Hochzeit symbolisch an ihre Schwiegereltern übergeben. Um bei einer Kuhinigira als Frau nicht negativ aufzufallen, sollte man einen „Busuuti“ tragen. Auch ich habe so ein Kleid bekommen und habe mich gefühlt wie in den 80ern, denn es war knallgelb-orange-rot. Außerdem haben alle Busuutis riesige Puffärmel und einen so großen Gürtel, dass man sich fühlt, als hätte man eine gigantische Geschenkschleife um den Bauch.
Während der Feier wurde viel Luganda geredet, eine der Hauptsprachen in Uganda. Deshalb habe ich nur selten verstanden, was eigentlich passiert ist. Die Bedeutung eines zeremoniellen Akts habe ich aber gelernt. Zu Beginn zogen dabei alle Gäste des Bräutigams ein. Die wichtigen Männer der Familie trugen einen Stock, den sie den Brauteltern übergaben. Läuft die Feier gut, halten die Brauteltern die Schwiegerfamilie also für würdig, bekommen die Männer ihren Stock am Schluss der Feier wieder. Das Abgeben des Stocks liegt darin begründet, dass es wohl früher bei solchen Feiern oft zu Streit kam, wenn die Brauteltern die Familie des Bräutigams nicht akzeptieren wollten. Hatten die Männer dann ihre Stöcke parat, konnte das blutig enden. Das wird heute vermieden, indem sich alle „entwaffnen“, bevor gefeiert wird. Bei dieser Kuhinigira jedenfalls ging alles gut. Einige Tage später stieg dann die Abschiedsparty für den Sohn. In Deutschland hätte man die Gartenparty wohl als den langweiligsten Junggesellenabschied der Welt bezeichnet, aber ich fand sie schön. Und wieder zwei Tage später ging‘s dann rund, denn es war Hochzeitstag. Nach einem Gottesdienst am Morgen wurde nachmittags in einem Raum gefeiert, der bis auf die pinkfarbenen Rosen komplett weiß geschmückt war. Es wurden viele Reden gehalten und natürlich auch ausgiebig und sehr lecker gegessen. Das trifft wohl auf alle Hochzeiten weltweit zu.
Nicht nur an der Hochzeit habe ich mich über meine mangelnden Lugandakenntnisse geärgert. Vielleicht hilft mein neuester Kauf: „The Essentials of Luganda“, ein Lugandalehrbuch. Mein Lieblingssatz: „Ku mmeza kwatuulako ekiwuka ekinene ennyo“ – “Auf dem Tisch lag ein sehr großes Insekt“. Glücklicherweise kam bisher erst eine Kakerlake zu Besuch in meine Küche und verstarb, bevor ich sie anständig begrüßen konnte.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  Dec 27, 2016
Autor: Annika
Rubrik: studium
Dec 27, 2016