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Praktikum im Studium

Hochzeit auf Luganda

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

27.12.2016

Hochzeit auf Luganda heißt „Embagga“ – und ich durfte nun an einer teilhaben. Der Sohn meiner lieben Vermieter hat geheiratet und es fanden drei Events statt, um dies angemessen zu feiern. Das erste hieß „Kuhingira“, zu Deutsch Vorstellung. Die Braut wird eine Woche vor der Hochzeit symbolisch an ihre Schwiegereltern übergeben. Um bei einer Kuhinigira als Frau nicht negativ aufzufallen, sollte man einen „Busuuti“ tragen. Auch ich habe so ein Kleid bekommen und habe mich gefühlt wie in den 80ern, denn es war knallgelb-orange-rot. Außerdem haben alle Busuutis riesige Puffärmel und einen so großen Gürtel, dass man sich fühlt, als hätte man eine gigantische Geschenkschleife um den Bauch.
Während der Feier wurde viel Luganda geredet, eine der Hauptsprachen in Uganda. Deshalb habe ich nur selten verstanden, was eigentlich passiert ist. Die Bedeutung eines zeremoniellen Akts habe ich aber gelernt. Zu Beginn zogen dabei alle Gäste des Bräutigams ein. Die wichtigen Männer der Familie trugen einen Stock, den sie den Brauteltern übergaben. Läuft die Feier gut, halten die Brauteltern die Schwiegerfamilie also für würdig, bekommen die Männer ihren Stock am Schluss der Feier wieder. Das Abgeben des Stocks liegt darin begründet, dass es wohl früher bei solchen Feiern oft zu Streit kam, wenn die Brauteltern die Familie des Bräutigams nicht akzeptieren wollten. Hatten die Männer dann ihre Stöcke parat, konnte das blutig enden. Das wird heute vermieden, indem sich alle „entwaffnen“, bevor gefeiert wird. Bei dieser Kuhinigira jedenfalls ging alles gut. Einige Tage später stieg dann die Abschiedsparty für den Sohn. In Deutschland hätte man die Gartenparty wohl als den langweiligsten Junggesellenabschied der Welt bezeichnet, aber ich fand sie schön. Und wieder zwei Tage später ging‘s dann rund, denn es war Hochzeitstag. Nach einem Gottesdienst am Morgen wurde nachmittags in einem Raum gefeiert, der bis auf die pinkfarbenen Rosen komplett weiß geschmückt war. Es wurden viele Reden gehalten und natürlich auch ausgiebig und sehr lecker gegessen. Das trifft wohl auf alle Hochzeiten weltweit zu.
Nicht nur an der Hochzeit habe ich mich über meine mangelnden Lugandakenntnisse geärgert. Vielleicht hilft mein neuester Kauf: „The Essentials of Luganda“, ein Lugandalehrbuch. Mein Lieblingssatz: „Ku mmeza kwatuulako ekiwuka ekinene ennyo“ – “Auf dem Tisch lag ein sehr großes Insekt“. Glücklicherweise kam bisher erst eine Kakerlake zu Besuch in meine Küche und verstarb, bevor ich sie anständig begrüßen konnte.

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