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Praktikum im Studium

Abschiedsstimmung - 1

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

07.03.2017

Tatsächlich ist mein Praktikum in Uganda in zwei Tagen schon vorbei und ich muss mich von den lieben Menschen bei Wakisa Ministries verabschieden. Vor einem Jahr hatte ich in der Fachhochschule ein Seminar, das sich um die Vorbereitung des Praktikums und der Forschung im Ausland drehte. Am häufigsten fiel wohl der Satz: „Es kommt ohnehin alles anders, als Sie es erwarten.“ Irgendwann konnte ich es nicht mehr hören und war der Meinung, auf mich träfe das nicht zu. Mittlerweile gebe ich allen Dozenten recht, die diesen Satz regelmäßig wiederholt haben. Selbst ich, obwohl ich perfekt vorbereitet schien, – Praktikumsplatz schon monatelang im Voraus sicher, Wohnung gefunden, Forschung komplett vorbereitet – wurde von einigem überrascht.
Nicht nur, dass ich zwei Tage vor meiner Abreise doch wieder ohne Wohnung dastand. Auch die wochenlang mühsam erarbeitete Forschung hat sich nach kurzer Zeit als kaum vernünftig durchführbar herausgestellt. Außerdem verlief die praktische Arbeit mit schwangeren Mädchen bei Wakisa Ministries ganz anders als gedacht: Ich hatte nicht erwartet, so schüchterne und disziplinierte Mädchen zu erleben. Die Enttäuschung darüber, dass meine Interviews zu Beginn nicht so ergiebig waren wie erhofft, hat mich ganz schön heruntergezogen.
Doch ich lernte: Anders bedeutet nicht zwingend schlechter. Hieß es in einem meiner früheren Blogeinträge aus Uganda noch, dass Anfänge schwer sind, könnte ich jetzt Dasselbe über Abschiede schreiben. Es hat mich Mühe gekostet, Zugang zu den Mädchen zu finden, aber die, bei denen es geklappt hat, habe ich in mein Herz geschlossen und werde ich vermissen. Auch der Arbeitsalltag wird mir fehlen, das Gärtnern, Kochen und Spielen in der Gemeinschaft. Dass meine Forschung nicht so brauchbar ist, ist ärgerlich, da ich viel Zeit in Planung und Durchführung der Interviews investiert habe. Ich habe aber daraus gelernt: In Zukunft werde ich besser durchdenken, welche Forschungsmethode für welche Zielgruppe sinnvoll ist. Und ich werde kritischer gegenüber Vorgesetzten sein. Denn ich habe schon in Deutschland geahnt, dass die Forschungsmethode, die meine Chefin vorgeschlagen hat, nicht passend ist, mich aber nicht getraut, ihr zu widersprechen. Das ist aber völlig in Ordnung und wäre in meinem Fall sehr sinnvoll gewesen.
Am Freitag werde ich meinen Abschied bei Wakisa mit Kuchen und Limo feiern und „Webale nyo“ – „Vielen Dank“ sagen. Danach stehen mir zwei freie Woche in Uganda bevor, in denen ich hoffentlich noch mehr vom Land sehen kann. Danach geht’s ins Urlaubsparadies Sansibar und dann tatsächlich schon wieder nach Deutschland – das vergangene halbe Jahr war das gefühlt kürzeste meines Lebens.

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