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Praktikum im Studium

Willkommen in Deutschland!

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

20.04.2017

Als ich nach 22 Stunden Reisezeit am Flughafen in München ankam, war ich erst mal geschockt. Zu dem verschwundenen Handy, das irgendwo zwischen Dar es Salaam und Dubai verloren ging, kam auch noch ein verschwundener Geldbeutel hinzu. Meine Eltern haben nach der langen, glücklichen Umarmung die Augen wegen meiner Vergesslichkeit verdreht. Sie sind es aber schon gewohnt, dass ich ständig Dinge verliere. Den Geldbeutel habe ich schließlich aus Uganda nachgeschickt bekommen, das Handy ist nicht wieder aufgetaucht. Aber auch ich bin meine Vergesslichkeit gewohnt und habe aufgehört, mich zu sehr wegen verlorener Dinge zu ärgern.
Zuhause angekommen gab es wie geplant gutes Brot, Brötchen und ganz viel Käse. Es war herrlich. Die folgenden Tage bestanden aus Wiedersehenstreffen, Fotos zeigen und ganz viel erzählen. In den Phasen einer Rückkehr, die angeblich Menschen nach einem längeren Auslandsaufenthalt durchmachen, wird dies die „Touristenphase“ genannt. Alles ist wieder aufregend. Man entdeckt Dinge wieder – in meinem Fall eben Käse, geordneter Straßenverkehr und Menschen, die meine Muttersprache sprechen – und das Umfeld interessiert sich sehr für einen, denn man hat Dinge erlebt, die für viele völlig unbekannt sind. Das ist eine schöne Zeit, denn man kann viel erzählen und Freunde und Familie freuen sich einfach riesig, dass man zurück ist.
Da ich nun gut zwei Wochen wieder in Deutschland bin, ist diese Phase aber fast schon wieder vorbei und die Normalität hat mich zurück. Nach einem aufregenden halben Jahr stehen nun wieder bekannte Herausforderungen an: Ich muss wieder eine Wohnung in Erfurt finden und um die Miete bezahlen zu können, brauche ich einen Nebenjob. Ich muss einen Praktikumsbericht schreiben, meine Forschung, die ich in Uganda gemacht habe, auswerten, ein Masterarbeitsthema finden und dann die Arbeit schreiben. Hui! Das ist ein ganz schöner Berg, der sich da vor mir aufgetürmt hat. Manchmal macht mir dieser Berg Angst.
Manchmal vergesse ich, dass man eben Schritt für Schritt den Aufstieg wagen muss, um irgendwann anzukommen. Wenn das passiert, dann träume ich mich wieder nach Uganda. Dann sitze ich in Gedanken am Viktoriasee, brause auf dem Motorradtaxi durch Kampala und trinke mit meinen Freundinnen und Freunden aus dem Süden „African Tea“.

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