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Praktikum im Studium

Anschlag in London

Autor:
Franca

Rubrik:
studium

21.04.2017

Der Anschlag auf der Westminsterbrücke in London geschah an einem Mittwoch während meines Praktikums beim Schulpsychologen. Zufällig waren gerade drei Schulklassen im Schüleraustausch dort, für die das Schulamt zuständig ist, bei dem ich derzeit arbeite. Und genau in dem Augenblick, in dem der Anschlag passierte, waren die 60 deutschen Schülerinnen und Schüler an der Westminsterbrücke verabredet. So haben einige von ihnen die Schüsse gehört, mit denen der Täter erschossen wurde, sowie Verletzte und die in Panik wegrennenden Menschen gesehen. Glücklicherweise ist keinem von ihnen etwas passiert, aber viele waren sehr erschrocken und verstört.
Aus psychologischer Sicht weiß ich, dass so ein Erlebnis Menschen traumatisieren kann und verschiedene Traumafolgestörungen entstehen können. Durch einen professionellen Umgang mit traumatischen Ereignissen kann man jedoch vieles verhindern. Also haben wir in der Schulpsychologie sofort eine Krisenintervention geplant. Zunächst mussten wir die Schulleiterin der Schule unterstützen, die nun von aufgeregten Eltern etliche Anrufe bekam. Am Donnerstag wurde auf die Schnelle ein Elternabend einberufen, um die Eltern zu beruhigen und ihnen professionellen Rat zu geben, wie sie sich ihren Kindern gegenüber am besten verhalten. Am Freitag um 5.30 Uhr waren wir an der betreffenden Schule und empfingen zusammen mit den Eltern die Schülerinnen und Schüler in der Mensa, die mit dem Bus zurückkamen. Wir boten Gespräche an, vor allem für die Kinder, die mehr gesehen hatten oder stärkere Reaktionen zeigten als andere. Manche Kinder waren sehr gefasst, andere haben gezittert oder geweint. Es wurde eine Notfalltelefonnummer der Schulpsychologie für das Wochenende eingerichtet, um Eltern und Kindern die Möglichkeit zu geben, sich Rat zu holen, sollten sich zum Beispiel Traumasymptome zeigen.
Am Montag waren wir wieder vor Ort um ein Kriseninterventionsprogramm durchzuführen. Dabei wird das Traumaereignis in einen zeitlichen Kontext eingebettet, indem man mit kleinen Gruppen bespricht, was davor und was danach geschah. Dies kann helfen, einer posttraumatischen Belastungsstörung vorzubeugen.

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