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Praktikum im Studium

Angemessener Abschied

Vier Wochen zu wenig Schlaf, vier Wochen kein Urlaub, vier Wochen die wenigen Freunde, die noch in Bonn sind, nur sporadisch sehen, vier Wochen Stress. Und trotzdem bin ich unglaublich traurig, dass mein Praktikum an der Schule jetzt vorbei ist. Ich habe so viel gelernt, durfte 16 (!) Unterrichtsstunden ganz oder teilweise selbst halten, habe mich mit Schülern und Lehrern ausgetauscht, ein paar Ideen gesammelt, was ich später selbst wie umsetzen möchte, und vor allem: Ich bin nun absolut sicher, dass ich Lehrerin werden möchte.
Die Zeit am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium hat mir sehr viel gebracht und den meisten Lehrern, mit denen ich zu tun hatte, bin ich sehr dankbar, wie viel ich durch sie mitnehmen konnte. Dass ich mich irgendwie dafür revanchieren möchte, stand für mich fest. Bei meinem Eignungspraktikum vor zwei Jahren hatte ich mich am letzten Tag sehr unwohl gefühlt, weil die andere Praktikantin fürs Kollegium eine Packung Pralinen dabei hatte, und ich nichts. Damit das nicht noch einmal passiert, hatte ich in der letzten Woche dieses Praktikums mit den anderen Praktikantinnen besprochen, dass jeder irgendeine Kleinigkeit zum Essen mitbringen würde.
Am Freitag standen dann auf dem Tisch vor dem Lehrerzimmer zwei Teller: Von mir ein Kuchen, außerdem Windbeutel von einer anderen Praktikantin. Auf Nachfrage bei den anderen, ob sie es vergessen hätten, kam zum Teil keine Antwort und zum Teil ein „Nö, wofür sollen wir uns bedanken, das ist doch deren Job!“. Ich mache niemandem einen Vorwurf, wenn er keine Zeit oder kein Geld hat, etwas zu besorgen. Aber dann die Betreuung der Lehrer herunterzureden, finde ich respektlos. Dass wir hospitieren durften, halte ich noch für halbwegs selbstverständlich. Aber dass sich die Lehrer auch Zeit genommen haben, mit mir Stunden zu planen, sich Notizen zu machen, um mir ausführliches Feedback zu meinen Stunden zu geben, und auch abgesehen davon immer hilfsbereit waren, ist sicher nicht die Regel.
Als Lehrer bekommt man selten die Anerkennung, die man in seinem Job verdient, und ich persönlich bin sehr froh, dass ich mir die Zeit genommen habe, mich richtig zu bedanken.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  May 17, 2017
Autor: Janna
Rubrik: studium
May 17, 2017

Praktikum im Studium

Praktikum in der Jugendpsychiatrie

Seit drei Wochen bin ich nun in meinem zweiten Praktikum und zwar auf der geschlossenen Station der Jugendpsychiatrie. Meine Hauptaufgabe ist die Diagnostik. Das heißt, ich führe verschiedene Tests mit den Jugendlichen durch, die neu auf die Station kommen. Auf Basis dieser Tests wird die Diagnose gestellt und der weitere Behandlungsverlauf festgelegt. Dabei geht es um Leistungsdiagnostik, also den IQ-Wert, aber auch um psychotische Symptome, Essstörungen, Depressionen, Ängste, Suizidalität und andere psychische Störungen.
Mir gefällt an meinem Praktikum, dass ich meine Tage weitestgehend selbst gestalten kann. Es gibt viel Programm, das in einer solch großen Klinik minutiös durchgeplant ist, aber auch zwischendurch Pausen, in denen ich entweder Diagnostik mit den Jugendlichen mache oder im Anschluss daran die Auswertung und den Befundbericht vorbereite. Außerdem kann ich mit in die Ergo-, Pferde-, oder Sporttherapie gehen oder mich einfach zu den Jugendlichen in den Gemeinschaftsraum setzen und mit ihnen Uno spielen.
Ein bisschen schade finde ich, dass die Abläufe in der Klinik relativ starr sind. Wahrscheinlich muss alles so genau geplant sein und für jeden möglichen Fall ein Leitfaden zur Vorgehensweise vorhanden sein, damit eine solch große Institution überhaupt funktioniert. Aber mir macht es mehr Spaß, individueller zu arbeiten. Zum Beispiel würde ich gerne selbst entscheiden können, wie viel Zeit ich einer Patientin oder einem Patienten widme. Oder auch, welches Vorgehen ich wähle. In der Klinik ist alles bis ins kleinste Detail strukturiert und vorgegeben. Ein Beispiel: Eine Patientin, die an der Essstörung Anorexie leidet, nimmt in einer Woche nur 200 Gramm zu, obwohl das Therapieziel höher lag. Daraus folgt, dass der Essensplan erhöht und ihre Ausgänge gestrichen oder zumindest gekürzt werden. Nimmt die Patientin aber zu, darf sie länger in den Ausgang oder bekommt andere Belohnungen. Dieses Vorgehen scheint mir zu mechanisch und nicht individualisiert, dabei ist doch jeder Mensch anders und hat andere Bedürfnisse.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  May 16, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
May 16, 2017

Praktikum im Studium

Inklusionsfrage

In meiner Grundschulzeit machte ich bereits erste Erfahrungen mit Inklusion. Ich war auf einer Gemeinschaftsgrundschule, das heißt, an meiner Schule waren zwei Kinder mit Behinderung, die mit uns lernten und in einigen Stunden mit einer anderen Lehrerin im Nebenraum arbeiteten. Auf dem Gymnasium nahm in der 8. Klasse ein Junge mit starkem Autismus an unseren Englischstunden teil, da er eine Begabung für diese Sprache hatte. Und ein Mädchen von einem anderen Gymnasium in meiner Heimatstadt saß im Rollstuhl – kein Hindernis für den Regelschulbesuch. Diese Erfahrungen haben meine Berührungsängste ausgeräumt. Ich finde es wichtig, vor allem Kindern zu zeigen, dass Behinderungen existieren und jeder Mensch zwar anders, aber nicht weniger wert ist.
Während meines Praktikums habe ich allerdings auch mitbekommen, welche Herausforderungen die Inklusion mit sich bringt. Seit diesem Schuljahr gibt es am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium zwei 5. Klassen, in denen Kinder mit besonderem Förderbedarf lernen. Ihnen stehen Sonderpädagogen und Betreuer zur Seite. Aber wenn diese ausfallen, müssen stattdessen die Lehrer auf ihre Bedürfnisse eingehen, was meiner Meinung nach schwierig ist. Ich kann mit meinem derzeitigen Ausbildungsstand bei einem Gymnasiumskind recht schnell erkennen, wo dessen Probleme liegen, wenn es etwas in Mathe nicht versteht, und meine Hilfestellung daran anpassen. Als ich nun mit einem Förderkind zusammenarbeitete, hatte ich absolut keine Ahnung: Versteht sie die Aufgabenstellung sprachlich nicht? Oder weiß sie nicht, wie sie an die Aufgabe herangehen soll?
Eine meiner besten Freundinnen studiert Sonderschullehramt. Wenn ich ihre Hausarbeiten Korrektur lese, bin ich jedes Mal fasziniert davon, was alles bedacht werden muss und wie intensiv man sich mit einem Förderkind auseinandersetzt. Dass Sonderpädagogik ein eigener Studiengang ist, der sich sehr vom Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule unterscheidet, ist für mich daher absolut nachvollziehbar. Wie soll also ich später auf Kinder eingehen, die eine Förderung brauchen, für die ich gar nicht ausgebildet bin? Und reicht eine Fortbildung aus, um diese Ausbildung in ausreichendem Maß nachzuholen?
Ich halte das Schaffen von Begegnungsräumen für wichtig, beispielsweise gemeinsame Schulhöfe, Kooperationen, Projekte und auch die Option, dass Förderschüler teilweise am Regelschulunterricht teilnehmen können. Aber ich bin noch unsicher, wie ich mit inklusivem Unterricht zurechtkommen werde, wenn ich den Schuldienst antrete.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  May 10, 2017
Autor: Janna
Rubrik: studium
May 10, 2017