interaktiv

Praktikum im Studium

Inklusionsfrage

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

10.05.2017

In meiner Grundschulzeit machte ich bereits erste Erfahrungen mit Inklusion. Ich war auf einer Gemeinschaftsgrundschule, das heißt, an meiner Schule waren zwei Kinder mit Behinderung, die mit uns lernten und in einigen Stunden mit einer anderen Lehrerin im Nebenraum arbeiteten. Auf dem Gymnasium nahm in der 8. Klasse ein Junge mit starkem Autismus an unseren Englischstunden teil, da er eine Begabung für diese Sprache hatte. Und ein Mädchen von einem anderen Gymnasium in meiner Heimatstadt saß im Rollstuhl – kein Hindernis für den Regelschulbesuch. Diese Erfahrungen haben meine Berührungsängste ausgeräumt. Ich finde es wichtig, vor allem Kindern zu zeigen, dass Behinderungen existieren und jeder Mensch zwar anders, aber nicht weniger wert ist.
Während meines Praktikums habe ich allerdings auch mitbekommen, welche Herausforderungen die Inklusion mit sich bringt. Seit diesem Schuljahr gibt es am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium zwei 5. Klassen, in denen Kinder mit besonderem Förderbedarf lernen. Ihnen stehen Sonderpädagogen und Betreuer zur Seite. Aber wenn diese ausfallen, müssen stattdessen die Lehrer auf ihre Bedürfnisse eingehen, was meiner Meinung nach schwierig ist. Ich kann mit meinem derzeitigen Ausbildungsstand bei einem Gymnasiumskind recht schnell erkennen, wo dessen Probleme liegen, wenn es etwas in Mathe nicht versteht, und meine Hilfestellung daran anpassen. Als ich nun mit einem Förderkind zusammenarbeitete, hatte ich absolut keine Ahnung: Versteht sie die Aufgabenstellung sprachlich nicht? Oder weiß sie nicht, wie sie an die Aufgabe herangehen soll?
Eine meiner besten Freundinnen studiert Sonderschullehramt. Wenn ich ihre Hausarbeiten Korrektur lese, bin ich jedes Mal fasziniert davon, was alles bedacht werden muss und wie intensiv man sich mit einem Förderkind auseinandersetzt. Dass Sonderpädagogik ein eigener Studiengang ist, der sich sehr vom Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule unterscheidet, ist für mich daher absolut nachvollziehbar. Wie soll also ich später auf Kinder eingehen, die eine Förderung brauchen, für die ich gar nicht ausgebildet bin? Und reicht eine Fortbildung aus, um diese Ausbildung in ausreichendem Maß nachzuholen?
Ich halte das Schaffen von Begegnungsräumen für wichtig, beispielsweise gemeinsame Schulhöfe, Kooperationen, Projekte und auch die Option, dass Förderschüler teilweise am Regelschulunterricht teilnehmen können. Aber ich bin noch unsicher, wie ich mit inklusivem Unterricht zurechtkommen werde, wenn ich den Schuldienst antrete.

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