interaktiv

Praktikum im Studium

Psychosoziales Zentrum

Autor:
Franca

Rubrik:
orientieren

22.08.2017

Mein aktuelles Praktikum mache ich in einem sogenannten Psychosozialen Zentrum (PSZ) für Geflüchtete. Solche Zentren bieten zum Beispiel Migrationsberatung, psychosoziale Beratung oder auch Trauma-Behandlung an. Die Gespräche finden alle in Zusammenarbeit mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern statt. Die häufigsten Sprachen sind dabei Arabisch, Persisch und Russisch. Beim Dolmetschen wird nach einem ganz bestimmten Leitfaden vorgegangen: Jedes gesprochene Wort soll übersetzt werden, damit jede Person auch alles versteht. Die Übersetzer sind wirklich nur zur Sprachvermittlung da, sollen ihre eigene Meinung nicht einbringen und keine Kommentare abgeben. Dies fällt manchmal ganz schön schwer, wie ich mitbekommen habe, da die Dolmetscherinnen und Dolmetscher oft aus demselben Land kommen wie die Klientinnen und Klienten und ähnliche Erfahrungen gemacht haben beziehungsweise diese gut nachvollziehen können.

Leider kann ich bei den meisten Gesprächen nicht dabei sein, da es oft um sehr sensible Themen geht. Da wäre es ungünstig, wenn sich mehr Leute als unbedingt nötig im Raum befänden. Ich kann jedoch an den sogenannten Clearing-Gesprächen teilnehmen, bei denen innerhalb von zwei Sitzungen festgestellt werden soll, ob eine Person „besonders schutzbedürftig“ ist, also schnell einen Behandlungsplatz bekommen sollte. Viele der Menschen haben traumatisierende Erfahrungen gemacht. In ihrem Heimatland, wo sie oft Krieg und Elend am eigenen Leib erfahren haben, auf der Flucht, auf der sie ihr Leben riskiert haben und dann auch manchmal bei der Ankunft in Deutschland, wo sie teilweise diskriminiert werden, unter sehr schwierigen Bedingungen untergebracht werden und keinen Anschluss, keine Familie und keine Beschäftigung haben. Die Menschen, die es so weit geschafft haben, sind aber auch sehr ausdauernd und robust und bringen Kräfte und Stärken mit, die hier niemand entwickeln musste.

Diesen Artikel teilen