interaktiv

Praktikum im Studium

Mit Blick auf Nordkorea

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

11.05.2018

Nordkorea fühlt sich so unglaublich fern an. Voriges Jahr habe ich mir Dokumentationen über das Land angeschaut, war auf Diskussionsveranstaltungen zu Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea und habe in politikwissenschaftlichen Seminaren darüber gesprochen. Und trotzdem erscheint es mir wie ein Land auf einem anderen Planeten.
Bevor ich im März nach Pyeongchang flog, habe ich zum Beispiel nicht gewusst, dass Touristen zur Grenze zwischen Süd- und Nordkorea reisen dürfen. Wie ich bald herausfand, gibt es jedoch sogar Touren, mit denen man zum Beispiel Militärstützpunkte oder Museen im vier Kilometer breiten Grenzstreifen besuchen kann, die sogenannte demilitarisierte Zone.
So ein Museum bietet einen seltsamen Anblick, fand ich: Überall hingen bunte Bänder, die sogenannten „Friedensbänder“, um auf eine Wiedervereinigung einzustimmen. Die Besucher erhielten zudem bunte Zettel, auf die sie ihre Wünsche für eine koreanische Wiedervereinigung schreiben konnten. Diese wurden neben hunderten weiteren Zetteln an eine Wand des Museums gepinnt. Neben diesen Friedenszeichen steht dann aber wiederum ein Panzer – so ganz passt das doch nicht zusammen.
In diesem Grenzstreifen ist Nordkorea plötzlich ganz nah: Von Aussichtsplattformen aus sind Berge in der Ferne zu sehen, die bereits zu Nordkorea gehören. Südkoreanische Soldaten laufen mehrmals täglich an der Grenze entlang – vor allem seitdem Tunnel entdeckt wurden, durch die nordkoreanische Soldaten versucht hatten, in den Süden des Landes zu kommen.
Ich war mir vorab nicht bewusst, welch große Rolle das Thema der Wiedervereinigung in Südkorea spielt. Zwar habe ich auch mit Südkoreanern gesprochen, die diese eher kritisch stehen, trotzdem ist sie ein Motiv, das in vielen Museen und Besuchsstätten vorherrscht.

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