interaktiv

Schülerleben live

Spicken verboten?

Autor:
Johannes

Rubrik:
orientieren

18.05.2012

Gestern war es also soweit: Das letzte größere Plenum vor den Abitur-Prüfungen. Auf der Tagesordnung stand zunächst einmal die Punkte-Auswertung, sprich, die Einbringungen der Halbjahresleistungen aus den Klassen elf und zwölf. Gut, für die meisten sollte das an sich wirklich nichts Neues sein, man hat ja normalerweise schon eine Idee von den ungefähren Leistungen der beiden Jahre davor, aber dennoch gab es genug Leute die die ganze Geschichte meisterhaft in die Länge zogen.

So saßen wir also erst mal eine Stunde in einem Raum, der definitiv zu klein für 80 Menschen war, und durften dem wilden Geschnatter punktefeilschender Mitschüler lauschen. Und kaum waren wir damit fertig, ging die eigentliche Odyssee erst los: Abiturbelehrung. Der Inhalt dieser Belehrung passt auf ein DIN-A4- Blatt. Das Ding durchzulesen dauerte ungefähr fünf Minuten. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft, uns eine Stunde lang darüber zu unterhalten. Man glaubt es kaum, aber wir dürfen im Abitur nicht spicken. Handys müssen also ausgeschaltet sein und dürfen sich auch sonst nicht in der Tasche befinden. Man darf nicht auf dem eigenen Block schreiben, sondern muss das bereitgestellte Papier verwenden.

Ich langweile euch? Kein Wunder, das sind alles Dinge, die, zumindest an bayerischen Gymnasien, seit der fünften Klasse so funktionieren, entsprechend entnervt war auch ein Großteil der Versammelten. Offensichtlich wird von uns erwartet, eine eigenständige Recherche-Arbeit, hoch-intellektuell mit dem Terminus wissenschaftspropädeutische Arbeit bezeichnet, anzufertigen. Aber eine DIN-A4-Seite an Fakten zu verstehen, das kann man uns wohl nicht zutrauen!

Das beunruhigende an dem ganzen Plenum war allerdings allein der psychische Druck, dadurch verursach, dass wir gegenseitig unser Lernpensum verglichen. Ich muss ehrlich sagen, in Sachen Abitur war ich bis zu diesem Plenum echt entspannt, viel schiefgehen kann nicht, für mein angestrebtes Physikstudium brauche ich sowieso keinen bestimmten Schnitt und auch sonst bin ich nicht bestrebt, meine Zeit zu sehr der Schule zu widmen. Aber diese 2,5 Stunden, eingepfercht mit fast panischen Mitschülern, haben es tatsächlich geschafft, ein sehr tief sitzendes, ziemlich beunruhigendes Gefühl in mir zu säen.

Damit steht die Entscheidung eigentlich schon fest, mich von der Schule möglichst fern zu halten, zumindest für die nächsten paar Tage vor den Prüfungen. In sechs Tagen geht es dann los, es gilt einen Deutsch-Aufsatz zu schreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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