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Schülerleben live

Vom Nichtstun

Autor:
Johannes

Rubrik:
auszeit nach dem abi

31.05.2012

Ich werde jetzt etwas behaupten, was so ziemlich jeden hier etwas überraschen wird: Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat ein Fünkchen Humor. Oder zumindest der Teil der Mitarbeiter, der das Deutsch-Abitur 2012 entworfen hat.

Doch von vorne: Seit Mitte der 11. Klasse stand für mich eigentlich fest, das Lernen für das Deutsch-Abi auf ein Minimum zu beschränken. In meinem Fall hieß das, einfach gar nichts zu machen. Ein etwas riskantes Unterfangen, gibt es doch nur ein Themengebiet, bei dem man wirklich nichts lernen muss: Aufgabenteil V, Argumentieren auch in freieren Formen. Hier muss man zu einem vorgegebenen Thema wahlweise eine Erörterung oder einen anderen argumentativen Text zu Papier bringen. 2011 war ein Kommentar über die Freundschaft in Zeiten von Facebook verlangt, entsprechend konnte man davon ausgehen, dass dieses Jahr kein Kommentar drankommen würde. Unser Deutschlehrer hatte uns aber bereits darauf vorbereitet, mit der Alternative, Rede oder Essay, ebenfalls einigermaßen klarzukommen. So ging ich also in die Prüfung, auf ein gutes Thema und eine Rede hoffend. Denn unter einem guten Essay konnte ich mir, um ehrlich zu sein, nicht ganz so viel vorstellen. Wir bekommen also die Themenhefte ausgeteilt, ich blättere gespannt zum Themengebiet V (die anderen hatte ich ja kategorisch ausgeschlossen) und kann meinen Mund erstmal nichtmehr schließen.

„Muße. Vom Glück des Nichtstuns, so lautet der Titel eines im Jahr 2010 erschienenen Buchs von Ulrich Schnabel [...] Gewünscht wird ein Essay über das Nichtstun in einer Länge von etwa 1500 Wörtern. [...]“.

Gut, mit dem Essay hatte ich mich recht schnell abgefunden, doch mit dem Thema – Nichtstun – hatte ich schon ein paar Startschwierigkeiten. Ein derart schwammiger Begriff, dass ich selbst jetzt noch nicht sicher bin, ob ich mich darüber freuen soll, unendliche Freiheiten gehabt zu haben oder aber Angst davor haben sollte, auch ohne weiteres einfach elegant am Thema vorbeigeschrammt zu sein. Nach knapp eineinhalb Stunden fing ich also an, das Thema zu bearbeiten, und siehe da: Ein neuer Vielschreib-Rekord stellte sich ein: Gute zwölf Seiten plus Gliederung und Ideensammlung habe ich zu Papier gebracht. Wobei die Seitenanzahl ja erstmal nicht in Beziehung zur Note steht. So viel über das Nichtstun zu schreiben hätte ich vor vollbrachter Leistung nicht für möglich gehalten, ehrlich! Bleibt abzuwarten, was der Erst- und der Zweitkorrektor davon halten. Im Prinzip würde mich nichts zwischen 11 Punkten und einer glatten Themaverfehlung wundern, also bleibe ich gespannt.

Das ist halt das Los des Nichtstuns: Mangels Alternativen aufgrund fehlender Vorbereitung hat sich das Ministerium wohl gedacht, macht es uns eine Freude und lässt uns Lern-Verweigerer über unsere Vorbereitung schreiben. Respekt!

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