interaktiv

Schülerleben live

Praktikum, ja oder nein?

Autor:
Noelle

Rubrik:
auszeit nach dem abi

17.08.2012

Liebe Schule,

nicht, dass du denkst, ich wolle mich nun im Nachhinein über dich beschweren. In der Tat habe ich mehr von dir gelernt, als ich dachte. Zumindest kann ich nun in jedem halbwegs intellektuell angehauchten Wälzer die Anspielungen auf vorige Werke verstehen und weiß, dass es sich bei „Faust” nicht nur um ein menschliches Körperteil handelt.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle einen leichten, klitzekleinen Funken Kritik anbringen. Vergangenen Freitag hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Meine Erwartungen von „kurz mal hin und schnell wieder weg” wurden jedoch insofern enttäuscht, als dass ich erst nach über einer Stunde und völlig fertig mit den Nerven das Büro wieder verließ. Ich hatte mich für ein Praktikum in einer Online-Redaktion beworben und es war wirklich spannend zu sehen, was sich hinter den Kulissen einer erfolgreichen Website für Frauen verbirgt. Auf die modernen Methoden eines solchen Kennenlernens war ich jedoch nicht gefasst. Nachdem ich das gewöhnliche „Verkaufsgespräch“, das uns während der Schulzeit nicht nur in Deutsch sondern auch auf englischer und französischer Sprache eingetrichtert wurde, hinter mich gebracht hatte, ließ man mich plötzlich mit einem Blatt Papier und einem Stift allein. Ich solle mir doch in den nächsten zwanzig Minuten ein Konzept für eine funktionierende Internetseite ausdenken, inklusive Marketing und Finanzierung, versteht sich.

Meine Wahl fiel auf eine Komposition aus Buch und Film, so etwas gab es schließlich noch nicht. Aber natürlich kamen mir in diesem Moment nur die dämlichsten Namensideen: „Zeile lebt", „booksNmovies" oder wieso nicht gleich eine Mischung aus beiden wie „Boovie"?!

Noch viel weniger Ahnung als von der Namensfindung hatte ich von Finanzen und Geschäftskonzepten. Das merkte auch mein Gegenüber schnell. Der größte Klops sollte jedoch noch folgen: „Nennen Sie mir drei Gründe, wieso wir sie nehmen sollten, aber ich möchte sie noch nie gehört haben.”

Wie war das nochmal mit dem motiviert? Einen älteren Schuh gab es wohl kaum. Ich ähm... weil... Na ja, weil mein Freund hier wohnt und ähm... Ich fahre gerne mit der Bahn. Und, und... Ich war so lange faul, das möchte ich jetzt ändern. Etwas Blöderes hätte mir wohl kaum einfallen können!

Und nun? Na ja, das Praktikum mache ich doch nicht. Schweren Herzens musste ich absagen. Nicht nur, dass Uni- und Wohnungssuche erstmal Priorität haben sollten. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass die langen Arbeitszeiten und die nicht vorhandene Bezahlung mich abschreckten. Von null auf hundert war eben noch nie so leicht. Aber eins habe ich trotzdem gelernt: Sei vorbereitet auf das Unmögliche und vor allem, nimm das, was in der Schule gelehrt wird, nicht allzu ernst.

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