interaktiv

Schülerleben live

Hast du es schon gehört?

Autor:
Nele

Rubrik:
orientieren

28.11.2012

Sie denken, ich sehe die Blicke nicht. Sie denken, ich höre die gehässigen Kommentare nicht. Aber ich höre und sehe sie. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, mir meine Freunde außerhalb der Schule zu suchen. Denn ich habe das Glück bzw. Pech nicht um meine Versetzung bangen zu müssen. Hatte ich nie. Allein damit schießt man sich in meiner Schule bei den Mitschülern schon ins Aus. Dazu kommt dann noch, dass ich mich anders kleide. Nur als Beispiel: Ich habe im Gegensatz zu vielen anderen Mädchen meiner Stufe keinen Schuhtick. Ich komme mit drei bis fünf Paar Schuhen aus. Ach ja, und shoppen kann ich auch nicht ausstehen. Einzige Ausnahme sind Bücher. Ich habe nichts gegen ein bisschen Klatsch und Tratsch, aber wenn sich das ganze verselbstständigt, wird es mir dann doch zu bunt. Ich weiß wirklich nicht, wieso jedes Fettnäpfchen gleich zu einem Skandal aufgebauscht werden muss. Jeder macht doch mal Fehler. Und dann wird meistens über diejenigen hergezogen, die in irgendeinem Aspekt von der Norm abweichen. Es gab mal einen Jungen, eine Klasse über mir, der stand in der Pause immer alleine da. Gut, er sah ein wenig komisch aus. Aber das ist eigentlich noch lange kein Grund, dass Schülergruppen, die in Hörweite stehen, lauthals über ihn herziehen. War allerdings der Fall. Heute schäme ich mich ein wenig, dass ich nicht einfach zu ihm hingegangen bin und mich mit ihm unterhalten habe. Damals hatte ich jedoch auch noch meine feste Clique. Da war die Meinung meiner sogenannten „Freunde" wichtiger.

Warum sind Menschen eigentlich oft so oberflächlich? Ich sehe ja ein, dass es ein gewisser Schutzmechanismus ist, wenn man in einer dunklen Gasse dem Mann ganz in Schwarz aus dem Weg geht. Er könnte ja gefährlich sein. Genauso gut könnte das allerdings auch auf das lachende, bunt angezogene Mädchen zutreffen. Kleidung sagt nur bedingt etwas über den Charakter aus. Ist jemand, der gerne High Heels trägt, leicht zu haben? Ist jemand, der gerne Jogginghosen anzieht, zwangsläufig unhygienisch und faul? Dieses Schubladendenken geht doch aber im Berufsleben weiter. Einen Bankangestellten im Trainingsanzug hält man für inkompetent, einem im Anzug vertraut man eher seine Finanzen an. Wie unlogisch das eigentlich ist, fällt wohl den wenigsten auf.

Diesen Artikel teilen