interaktiv

Schülerleben live

Aus und vorbei

Autor:
Nele

Rubrik:
orientieren

14.03.2013

Ich gehe durch die Gänge, durch die ich jahrelang gegangen bin. Noch einmal sehe ich die Lehrer, die mich durch die Oberstufe begleitet haben. Ich sehe meine Mitschüler, die ich leiden oder eben nicht leiden kann. Ich halte mich an meinen Stundenplan. Das allerletzte Mal. Ich werde mich nie wieder über die Idioten in meiner Stufe aufregen. Ich werde nie wieder über irgendwelchen Unsinn lachen, den der Klassenclown mal wieder angestellt hat. Heute ist mein letzter Schultag. Danach muss ich noch zweimal in die Schule. Einmal wegen der Ergebnisse des schriftlichen Abiturs und dann zur mündlichen Abiturprüfung. Wie fühlt es sich an, wenn man weiß, dass nichts mehr so sein wird, wie man es jahrelang gewohnt war? Wie fühlt es sich an, die Lehrer, die man vielleicht doch mag, nicht mehr zu sehen? Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass man nie wieder alle Mitschüler auf einem Fleck erleben wird? Eine gute Frage. Viele meiner Mitschüler wirken bedrückt. Ich bin es nicht. Ich fühle mich einfach nur komisch. Allerdings nicht komisch schlecht, sondern komisch gut. Irgendwie erleichtert. Jetzt bin ich frei. Jetzt muss ich Entscheidungen für meine Zukunft treffen. Und zwar solche, die ich für richtig halte. Ich habe die Freiheit und die Last, alles selbst entscheiden zu können und zu müssen – und mit den Konsequenzen zu leben.

Ich habe es aufgegeben es allen recht machen zu wollen. Das funktioniert sowieso nicht. Natürlich tut es weh, wenn man andere enttäuscht. Aber es ist mein Leben und ich werde mir nicht von anderen vorschreiben lassen, wie ich zu gestalten habe. Ratschläge nehme ich gerne an, allerdings brauche ich keine Moralpredigt, wenn ich mal nicht mache, was alle Welt von mir erwartet. Man lebt schließlich nur einmal. Woher mein Gefühl kommt? Ich kann es wirklich nicht erklären. Ich weiß nur, dass es da ist. Und das ist gut so. Ich bin innerlich völlig ruhig. Ich bin zufrieden. Die Schulglocke ertönt. Meine letzte Schulstunde ist gerade zu Ende gegangen. Ich mache mich auf den Weg zum Ausgang. Mir begegnen einige Mitschüler. Ich überlege kurz, ob ich sie ansprechen soll. Lächelnd und federnden Schrittes verlasse ich meine Schule.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.