interaktiv

Schülerleben live

Zehn letzte Male

Autor:
Bo

Rubrik:
orientieren

24.03.2015

Die Zeit rast. Nur noch zehn Tage lang werde ich die Schule mit meiner Anwesenheit beehren, dann ist erst mal Schluss bis zu den Abiprüfungen. Nur noch zehn Mal werde ich durch das historische Schultor laufen und dabei den passenden Spruch „Omnibus prodesse, obesse nemini“ (allen nützen, niemandem schaden) lesen. Wem habe ich (hoffentlich) genützt und nicht geschadet, frage ich mich so kurz vor dem Ende. Ich habe mein Bestes gegeben, der Schülergemeinde so viel wie möglich zu geben, sei es durch mein Ehrenamt im Orchester, Mitarbeit im Unterricht, Bereitschaft, mich zu bessern, oder ein tröstendes Wort.

Aus dieser Reise namens Schulzeit habe ich eine bedeutende Lehre gezogen, nämlich, dass ich auch mir nicht schaden darf. Das Motto meiner Schule hat mich gelehrt, dass ich mich nicht vernachlässigen darf, denn das schadet nicht nur mir, sondern auch den Menschen um mich herum.

In all die Vorfreude über die wenigen verbleibenden Schultage mischt sich nichtsdestotrotz eine Prise Melancholie. Es sind die letzten Tage einer zentralen Episode meines Lebens. Ich habe im Laufe meines Lebens mehr Zeit in der Schule verbracht als außerhalb davon. Nur noch wenige Tage lang werde ich die Routine der Schule haben, ein Korsett, keine Frage, aber zugegebenermaßen auch ein Anker.

Zehn Mal die Schule mit müden Augen betreten und mit Erleichterung verlassen. Zehn Mal durch die Gänge laufen und im Schnelldurchlauf das Wochenende zusammenfassen. Zehn Mal sich über die kleinen Ungerechtigkeiten in der Schule aufregen. Zehn Mal über die Kleinen staunen und sich fragen, woher sie diese Energie nehmen. Zehn Mal sich gegenseitig Mut zusprechen, um die Furcht vor den Prüfungen zu nehmen. Zehn Mal versuchen, hundertmal so viele letzte Eindrücke einzufangen. Zehn Mal sich schwören, so viel Spaß zu haben, wenn alles vorbei ist. Zehn Mal sich versichern, dass man nichts und wirklich gar nichts vermissen wird. Zehn Mal merken und sich nicht eingestehen, dass vielleicht das eine oder andere doch fehlen wird. Zehnmal üben, auf Wiedersehen zu sagen. Zehn Mal wissen, dass man sich für immer an diese Tage erinnern wird.

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