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Schülerleben live

Und vorbei

Autor:
Lea

Rubrik:
orientieren

15.05.2015

Im Nachhinein ging es schnell. Das bedeutet jetzt also, nie wieder Unterricht in diesem Gymnasium zu haben. Fest steht das natürlich noch nicht, aber es wendet sich hoffentlich alles zum Guten. Alle paar Tage waren jetzt diese „wirklich wichtigen“ Prüfungen, die einen zwangen, vier bis fünf Stunden am Stück mit gut hundert Mitschülern in einer Turnhalle zu sitzen und einander zu ignorieren. Ein Zustand, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. Vielleicht lief die Deutsch-Prüfung deshalb so schlecht und Mathe irgendwie am besten. Es lässt sich schwer einschätzen, wie gut ich letztendlich war, schließlich schreibt man nur einmal im Leben Abitur und „es einfach durch Mitarbeitsnoten ausgleichen“ geht jetzt auch nicht mehr. Aber nun habe ich erst einmal eine Woche frei bis zur ersten Colloquiumsprüfung. Ein Aspekt, den ich vorher nicht bedacht habe: Was fange ich mit dieser ganzen Zeit an, die ich jetzt habe? So läuft das doch immer mit der Zeit. Mal hat man zu viel davon und mal zu wenig. Ich habe mir vorgenommen, mir zur Überbrückung bis zu meinem Auslandsaufenthalt und zur Finanzierung desselben einen Job zu suchen. Ob Supermarkt oder Café, ich muss mich in der nächsten Woche dringend umhören.

Nebenbei kommt das Mode-Projekt „azadi“ voran. Dieses Projekt ist einer Idee meiner Mutter entsprungen, die sich schon seit Jahren gemeinsam mit dem Rest meiner Familie für STOP einsetzt, eine indische NGO, die gegen Menschenhandel und insbesondere Frauenhandel kämpft. Rama, eine Abgesandte besagter NGO, die im Herbst 2013 nach Deutschland kam, um über ihr eigenes Schicksal und die Arbeit von STOP zu berichten, besuchte dabei gemeinsam mit meiner Mutter ein Geschäft für faire Mode. Die Inhaberin dieses Geschäfts zeigte sich so begeistert von Ramas selbst genähter Kleidung, dass die Idee entstand, ein eigenes Mode-Label zu gründen, das „faire westliche Mode mit indischem Flair“ herstellen soll. Die Marke trägt den Namen „azadi“, was auf Hindi, der Amtssprache in Indien, „Freiheit“ bedeutet. Natürlich war es ein langer Weg bis jetzt, wo wir schon die Prototypen für die erste Kollektion in den Händen halten und bald auch einen Teil des Startkapitals durch Crowdfunding zusammen haben. Ich helfe, wo ich gerade gebraucht werde: zum Beispiel als Model und Springer auf der ersten Infoveranstaltung mit Modenschau. Der Erlös kommt dann den Mädchen des Schutzhauses von STOP zugute, die dadurch nicht mehr nur von Spenden abhängig sind und somit ein solides Grundeinkommen erhalten.

Es gibt also Dinge zu tun und ich bin froh, nach dem Abi die Aussicht darauf zu haben, bei dieser Art Projekte helfen zu können und nicht nur faul herumzusitzen.

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