interaktiv

Schülerleben live

Abschied nehmen

Autor:
Lea

Rubrik:
orientieren

01.07.2015

Jetzt ist es also vorbei. Ganz offiziell nach der Abifeier. Einem „filmreifen Abgang“, wie unser Abi-Motto schon ankündigte, ist die auf jeden Fall gerecht geworden. Und für fast alle gab es ein Happy End. Nur einem meiner Mitschüler haben die Nachprüfungen auch nicht mehr geholfen. Der ganze Rest bekam auf der Bühne den Fahrschein in die Zukunft in einer schicken blauen Mappe überreicht, gemeinsam mit den Glückwünschen und dem Händedruck unserer Schulleiter sowie einer Rose und einer herzlichen Umarmung unserer „Oberstufen-Mami“. Es wurde geredet, mitunter gelobt, gepriesen, manchmal auch etwas geschimpft, vor allem aber zur Verantwortung für die Welt ermahnt. Ausnahmslos jeder Redner wies uns darauf hin, dass wir diejenigen sein sollten, die die Welt in Zukunft zu einem besseren Ort machen. Unser Gymnasialschulleiter legte uns eine philosophische Abhandlung zum Thema Freiheit vor und unsere Oberstufenkoordinatorin zählte sogar konkret auf, worum wir uns zu kümmern hätten: Klimaschutz, diverse Kriege, Globalisierung... Die etwas ältere Generation hat anscheinend hohe Erwartungen an uns. Das wurde uns ein für alle Mal klar gemacht.

Zur Abwechslung und passend zum Motto durften wir dank eines aus Fotos und Videos zusammengeschnittenen Films in Erinnerungen schwelgen und feststellen, dass wir seit der fünften Klasse in Sachen Albernheiten kein Stück erwachsener geworden sind. Die inoffizielle Feier danach bot uns noch einmal Raum, unserem kindlichen Geist Luft zu machen und noch ein letztes Mal als komplette Stufe zusammen Zeit zu verbringen. Wenn man an fünf von sieben Tagen 107 verschiedene Menschen um sich hat, mit ihnen lacht, lernt und manchmal auch leidet, einander als Gemeinschaft anerkennt, ist es ganz schön schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das alles vorbei sein soll. Klar, meine engeren Freunde sehe ich wieder, aber was ist mit den Leuten, mit denen man auf dem Gang mal einen netten Plausch hatte oder den Klassenclowns, die immer den Alltag auflockerten? Als die Abifeier endgültig vorbei war und wir fertig aufgeräumt hatten, war das, was blieb, nicht mehr die Freude über die bestandenen Prüfungen, sondern ein Bedauern der verlorengegangenen alltäglichen Situation und die Angst vor dem, was als nächstes kommen sollte. Mein Religionslehrer sagte uns einmal, wir würden ständig kleine Tode sterben, wenn etwas zu Ende geht. Das ist natürlich eine sehr hyperbolische Metapher, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt doch darin.

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