interaktiv

Schülerleben live

Krankenhaus

Autor:
Bo

Rubrik:
orientieren

09.07.2015

Zugegeben, meine Motivation, einen geregelten Tagesablauf zu führen, geht gegen null. Ich meine, ich hab das Abi geschafft und mir damit doch irgendwie das Recht erworben, jeden Tag auszuschlafen und zu faulenzen. Schön wär’s! Mein Alltag sieht nämlich deutlich anders aus: Ich stehe morgens um 5 Uhr auf. So früh musste ich zu Schulzeiten nicht einmal aufstehen, wenn ein Schneesturm das Straßennetz lahmlegte. Was also ist der Grund für meine morgendlichen Aggressionen, die ich wahlweise an der unschuldigen Bettdecke, dem Bettrahmen oder besonders gern am Wecker auslasse?

Natürlich ist das Studium schuld. Und das, obwohl ich noch nicht einmal sicher bin, ob mir der Schlafmangel und der Verzicht auf ein soziales Leben wirklich etwas bringen werden. Ich mache ein einmonatiges Pflegepraktikum in einem Krankenhaus, welches einen Teil des 90-tägigen Pflichtpraktikums für das Medizinstudium abdecken soll. Das bedeutet also früh morgens auf Station sein, bei der Übergabe des Nachtdiensts mitschreiben und dann die Frühschicht unterstützen. Zur Morgenrunde der Pfleger gehört die Kontrolle der Vitalwerte eines jeden Patienten. Nachdem Puls, Blutdruck und Temperatur gemessen und akribisch in die Akte des Patienten (genannt Kurve) eingetragen wurden, werden diejenigen Patienten gewaschen und versorgt, die dazu selbst nicht in der Lage sind. Im Verlauf des Tages bringe ich dann Blutproben ins Labor oder Patienten zu ihren Untersuchungen in anderen Teilen des Krankenhauses. Ein Patient muss auf die Toilette, schafft es aber nicht und klingelt deshalb? Schon bin ich auf dem Weg und helfe ihm.

Schon in den ersten Tagen ist mir aufgefallen, dass Blutdruck messen lernen keine Kunst ist. Die wahren Herausforderungen liegen ganz woanders. Man muss sich wirklich gut mit den Kollegen verstehen, sonst gestaltet sich die Zusammenarbeit als sehr schwierig. Denn: Schon ein kleines Missverständnis kann hier lebensgefährliche Folgen haben.

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