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Schülerleben live

Selbstverteidigung

Autor:
Lea

Rubrik:
orientieren

14.08.2015

Lange dauert es nicht mehr bis zu meiner Abreise nach Bolivien. Langsam muss ich auch damit anfangen, mich von allerlei Menschen zu verabschieden. Die ersten waren die Leute aus dem Wing-Tsun-Training. Meine Mutter war es, die mir vorgeschlagen hat, damit anzufangen. Und da es gerade in einem Land wie Bolivien nicht schlecht ist, sich wenigstens ein bisschen verteidigen zu können, begleitete ich eine Freundin, die ebenfalls erst angefangen hatte, zum Schnuppertraining. Ich war sofort begeistert. Nachdem ich mich jetzt so lange nicht wirklich sinnvoll beschäftigt hatte, fiel es mir auch überhaupt nicht schwer, mir wieder neue Fertigkeiten anzueignen. Da es bei dieser Art Kampfsport mehr um Präzision geht, als um Kraft, muss man sich ganz schön konzentrieren und die Bewegungen immer wieder wiederholen, bis alles in Fleisch und Blut übergeht. Allerdings freute ich mich zu früh, als ich annahm, dass das ja gar kein richtiger Sport ist. Denn wir hatten wegen der Hitze bei den ersten Trainingseinheiten das Aufwärmen weggelassen. Als ich das dann mal an einem kühleren Tag kennenlernte, war ich anschließend so erschöpft, dass es mir richtig schwer fiel, mich auf das eigentliche Training zu konzentrieren.

Zwar weiß ich nicht, wie viel mir das alles letztlich bringen wird, da ich insgesamt nur vier Wochen im Training war, aber ein paar grundlegende Bewegungsabläufe und Schritte kann ich auch für mich selbst weiterhin trainieren. Was davon auf jedenfall bleibt, ist das Selbstbewusstsein, dass ich tatsächlich etwas ausrichten kann und die Tatsache, dass ich nun besser einzuschätzen kann, wozu mein Körper in der Lage ist, aber auch, wo meine Grenzen liegen. Wenn ich den Schlag eines Gegners weiterleiten möchte, will ich dazu schließlich nicht zu viel Energie aufwenden, damit er meterweit an mir vorbeigeht, wenn ich mich auch schonen und ihn kanpp an meiner Schulter vorbeilenken kann.

Ich hoffe natürlich trotzdem, dass ich in Bolivien nicht darauf zurückgreifen muss. In einer ernsten Situation könnte ich wahrscheinlich trotzdem nichts gewinnen, aber ein bisschen Sicherheit gibt es mir auf jeden Fall.

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