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Schülerleben live

Natur pur

Autor:
Lea

Rubrik:
orientieren

24.09.2015

Eigentlich hätte unsere „Flucht in die Wildnis“ kaum besser verlaufen können. Die Straßen nach Sassnitz und von Trelleborg an die Ostküste Schwedens waren wie leergefegt, sodass wir freie Bahn hatten, zwei Stunden früher als geplant an der Fähre ankamen und bereits am nächsten Vormittag unsere Kayaks klarmachen konnten. Die Sonne strahlte zwischen Schäfchenwolken hervor, als wir im Nationalpark „Misterhult“ in See stachen. Die Schärenküsten Schwedens haben landschaftlich einiges zu bieten: Inseln so weit das Auge reicht. Manchmal führen breite Schifffahrtsstraßen zwischen ihnen hindurch und manchmal nur so schmale Kanäle, dass ein einzelnes Kayak geradeso hindurch passt. Hier und da lauern Felsen unmittelbar unter der Wasseroberfläche und wenn man nicht aufpasst läuft man auf und kommt nur mit Mühen wieder los.

Zum Glück passierte uns da nicht allzu oft und wir fanden jeden Abend eine hübsche Insel, die unseren Anforderungen zum Campen entsprach. Am besten waren die Inseln, die eine baumfreie Fläche mit weicherem Boden und eine Feuerstelle nahe einem nicht allzu glitschigen, flachen Ufer aufzuweisen hatten. Wir machten also vom schwedischen Jedermannsrecht Gebrauch, das erlaubt, überall in Schweden zu zelten und ein Lagerfeuer zu machen, wenn man mindestens 150 Meter von den nächsten Wohnhäusern entfernt ist. Allerdings darf man immer nur eine Nacht an einer Stelle bleiben und muss sich am nächsten Tag etwas neues suchen, was angesichts der Menge an unbewohnten Inseln für uns aber kein Problem darstellte.

Mit der Zeit wurden wir immer besser darin, früh aufzustehen, das Frühstück vorzubereiten, die Boote zu beladen, los zu paddeln und uns rechtzeitig gegen 17 Uhr eine neue Bleibe zu suchen. Wir kochten über offenem Feuer, machten manchmal danach noch Stockbrot, vernachlässigten ein wenig die Hygiene und ließen es uns gut gehen. Irgendwann kümmerten wir uns nicht mehr um die Asche, die ab und an im Kochtopf landete, oder um die Spinnen, die auf uns herumkrabbelten.

Wir benannten unsere Inseln, nach den Bewohnern, mit denen wir sie uns teilen mussten. So gab es beispielsweise eine Spinneninsel, eine Libelleninsel und eine Schafsinsel. Wir bekamen Adler, Schwäne und Kormorane zu Gesicht, begegneten einer Kreuzotter und streichelten Quallen.

Es war eine wunderschöne Reise mit einem positiven Nebeneffekt: Nach all den Entbehrungen dieses Urlaubs, bin ich gut abgehärtet für mein halbes Jahr in Bolivien!

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