interaktiv

Schülerleben live

Die erste Woche in Potosi

Autor:
Lea

Rubrik:
orientieren

28.09.2015

Drei unterschiedliche Flugzeuge und ein Bus brachten mich an mein Ziel: Die kleine, ruhige Stadt Potosi, inmitten einer beeindruckenden bolivianischen Berglandschaft, wird für das nächste halbe Jahr mein Zuhause sein. Ich absolviere ein Volontariat in der Organisation „Yachai Mosoj“, was so viel heißt wie „Neues Wissen“. Und darum geht es auch in dem Projekt. Kinder aus ärmeren Verhältnissen, deren Eltern aus Arbeitsgründen wenig Zeit haben, erhalten hier die Möglichkeit, sich vor und nach der Schule bei den Hausaufgaben helfen zu lassen oder ihr Wissen mithilfe von Lernspielen zu vertiefen. Normalerweise kommen die ersten Kinder schon etwa um neun Uhr an, da an einigen Schulen in der Stadt nur nachmittags unterrichtet wird. Andere erscheinen erst zum Mittagessen, das von einigen Frauen aus der Gegend zubereitet wird. Anschließend widmen sich die Kinder ihren Hausaufgaben. Je nach Altersgruppe arbeiten sie in unterschiedlichen Räumen, unter der Aufsicht eines Sozialarbeiters, der ihre Fragen beantwortet und im Zweifel hilft. Gegen fünf Uhr machen sich schließlich auch die Letzten auf den Heimweg.

In einem Neubau neben dem Hauptgebäude, das eines Tages für spezielle Technik-Kurse benutzt werden soll, wurde mir ein schönes kleines Zimmer mit Bad zur Verfügung gestellt. Ab dem zweiten Tag funktionierte dann auch das Wasser, sodass ich mich hier sehr wohl fühle. Im Erdgeschoss gibt es auch einen kleinen Raum mit Gasherd, den ich als Küche benutze. Am Wochenende entfallen die Mittagessen in der großen Runde. Für meine persönliche Versorgung darf ich selbst aussuchen, was ich haben möchte. Die Mitarbeiter sind alle sehr hilfsbereit und fragen mich sehr oft, ob es mir gut geht, und ob ich nicht Angst habe, ganz alleine in dem großen Haus zu sein. Aber ich fühle mich nicht einsam, schließlich bin ich den ganzen Tag von Leuten umringt. Außer der Kinder besuchen auch einige Studierende das Projekt regelmäßig. Sie sind genauso interessiert an meiner Herkunft wie ich an ihrem Land. Fast jeden Tag führe ich interessante Gespräche und mein Spanisch wird auch immer besser.

Selbst für das Wochenende habe ich jetzt schon Pläne, schließlich werde ich von allen Seiten eingeladen. Ich hoffe, ich finde auch irgendwann einmal die Zeit, Wäsche zu waschen und das Bad zu putzen – das ist nach einiger Zeit schließlich auch mal nötig.

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