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Schülerleben live

So biegsam wie Kaugummi

Meine Mutter sagt immer, das Abitur in Deutschland sage nicht viel über deine Intelligenz und Kompetenzen, sondern eher etwas über deine Anpassungsfähigkeit aus. Wenn das tatsächlich so ist, dann bin ich wohl biegsam wie Kaugummi und das ist wirklich kein schönes Gefühl. Wir Schüler sollen doch in dieser Gesellschaft eigentlich zu freien, selbstbestimmten, kritischen Menschen erzogen werden und es ist nur mehr als bitter, wenn man feststellt, dass man das im Grunde gar nicht ist. Natürlich dürfen wir in der Schule unsere Meinung sagen, keine Frage. Es gibt Raum für kontroverse Diskussionen, Kreativität und Querdenker, auch wenn manchmal die Zeit drängt. Doch wenn es dann um die Noten geht, besinnt man sich dann doch lieber auf Althergebrachtes. Zumindest habe ich mich schon oft selbst dabei erwischt. Wie oft habe ich in einem Test nicht unbedingt, das geschrieben, was ich tatsächlich zu diesem Thema dachte, sondern das, was ich am besten begründen und erläutern konnte. Jedes Mal denke ich mir dann: „Das wird zu kompliziert, das so zu erklären, wie du es dir denkst. Und bei dem einen Beispiel bist du dir nicht ganz sicher.“ Solche oder ähnliche Gedanken schwirren dann durch meinen Kopf und ich entscheide mich schlussendlich meist für den sichereren Weg. Es ist furchtbar, sich das einzugestehen. Sicherheit und Anpassung statt Risiko und freie Entfaltung.
Wir dürfen in der Schule kreativ sein, wir sollen es sogar. Unzählige „Kreativaufträge“ in Ethik, Geschichte, Musik, Kunst und Deutsch zeugen davon. „Lasst eurer Kreativität freien Lauf!“, so lautet das Motto, aber am Ende ist es dann doch nur die Art von Kreativität, die der jeweilige Lehrer erwartet. Es geht nur noch darum, wer am besten verstanden hat, was der Lehrer sehen möchte. Von wegen freie Entfaltung.
In der Oberstufe zählt nun einmal jeder Punkt. Also gliedere ich mich ein, ordne meine Ideen denen des Lehrers unter und bekomme dafür gute Noten. Das ist ganz schön erbärmlich. Was ist es, dass mich dazu treibt, mein sonst so freches Mundwerk zu schließen und genau das zu schreiben und zu sagen, was der Lehrer am Ende hören möchte? Sind es wirklich nur ein paar Notenpunkte, die mich dazu verleiten? Vielleicht habe ich auch Angst davor, meine Meinung offen darzulegen, denn das macht mich angreifbar. Andererseits: Was wäre das Leben ohne Risiko?

Autor: Maril   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 26, 2019
Autor: Maril
Rubrik: orientieren
Nov 26, 2019

Schülerleben live

Sprachreise nach England

Gemeinsam mit einer Freundin habe ich im Sommer 2017 eine Sprachreise unternommen.
Zu Beginn der Reise sind wir mit dem Bus bis nach Calais, von dort aus mit Fähre nach Dover und dann weiter mit dem Bus bis zu unserem Zielort Weymouth gefahren. Weymouth ist eine kleine Stadt in der Grafschaft Dorset, im Süden Englands. Dort wurden wir sehr herzlich von unserer Gastmutter in Empfang genommen. Unsere Gastfamilie wohnt in einem typisch englischen Reihenhaus. Alle waren sehr freundlich und freuten sich, dass wir da waren.
Dann ging es zur Schule, in der unser Sprachkurs stattfand. Die Schule erinnerte mich tatsächlich ein bisschen an eine Miniaturversion von Hogwarts. Nach einem kleinen Englischtest wurden wir in unterschiedliche Kurse mit jeweils 15 Leuten aufgeteilt. Von da an hatte ich jeden Vormittag drei Stunden Englischunterricht. Der Unterricht war sehr intensiv, trotzdem hat eine Woche nicht ausgereicht, um mich wesentlich zu verbessern. Dafür war die Zeit dann doch zu knapp. Trotzdem hat der Unterricht viel Spaß gemacht und unsere Englischlehrerin war super nett. Am Nachmittag und Abend hatten wir dann immer noch unterschiedliches Programm, wie zum Beispiel Scones essen und Tee trinken, am Meer liegen, ins Kino gehen oder unterschiedliche Sehenswürdigkeiten anschauen. Mir persönlich hat vor allem der Hafen mit den vielen, bunten Fischerhäusern gefallen.
Abends haben wir immer mit unserer Gastfamilie zusammen Abend gegessen. Das war immer ein kleines Highlight, da meine Gastmutter sehr lecker gekocht hat und die Familie uns viel über das Leben und die Kultur in England erzählt. Wir hatten sehr viel Glück mit unserer Gastfamilie, von anderen habe ich teilweise nicht so positive Sachen gehört.
An unserem letzten Tag sind wir früh morgens nach London gefahren, um uns die Stadt anzusehen. Ich war sehr beeindruckt. Besonders Westminster Abbey und der Big Ben haben mich fasziniert. Außerdem haben wir eine kleine Bootsfahrt über die Themse gemacht. Vom Boot aus die Tower Bridge zu sehen, war unheimlich schön. Abends sind wir dann erschöpft in unseren Bus eingestiegen und zurück nach Deutschland gefahren. Insgesamt war die Sprachreise eine empfehlenswerte und coole Erfahrung.

Autor: Clara  |  Rubrik: orientieren  |  Nov 19, 2019

Schülerleben live

Es ist noch nicht vorbei

Da sitze ich ganz arglos in der Frühstückspause bei ein paar Klassenkameradinnen am Tisch und schlürfe genüsslich meinen Kaffee, als mir urplötzlich eine Frage gestellt wird: "Und du?" Zugegebenermaßen hatte ich mich in den letzten fünf Minuten viel mehr meinem Frühstück gewidmet als dem Tischgespräch, weswegen ich auch gewohnt eloquent anwortete: „Häh?“ Nachdem sie sich ein wenig über meine geistige Abwesenheit amüsiert hatten, erklärten sie mir noch einmal, worum es eigentlich ging. Ich traute meinen Ohren nicht: Es ging doch tatsächlich um – haltet euch fest – Abiballkeider. Kein Wunder, dass ich abgeschaltet hatte. Ich meine, es sind noch knapp acht Monate bis zum Abiball und es gab dennoch Mädchen in meinem Jahrgang, die sich jetzt schon Gedanken über ihr Kleid, ihr Make-up und ihre Frisur machten. Der Ausdruck "sich darüber Gedanken machen" trifft es jedoch nicht ganz. Sie hatten ja schon alles geplant: Das Kleid war bereits gekauft, Frisur und Make-up schon mit dem Frisör abgesprochen. Nur die Schuhwahl bereitete ihnen noch Sorgen und das Risiko, dass jemand das gleiche Kleid tragen könnte. Das mögen ja alles berechtigte Sorgen und wichtige Fragen sein, aber warum muss man sich damit jetzt schon beschäftigen?
Ich weiß nicht, warum sie so erpicht darauf sind, immer nur an das Ende ihrer Schulzeit zu denken. „Weil es dann endlich vorbei ist!“, lautet ihre Antwort. Ja, nach dem Abiball ist es dann endgültig vorbei. Aber wieso denn bitte „endlich“? Sind alle wirklich so erleichtert, die Schule verlassen zu können? Ich habe ehrlich gesagt ein wenig Angst vor dem, was kommen wird. Die Schulzeit ist so geregelt, so strukturiert. Man bekommt Aufgaben und löst sie. Man bekommt Hausaufgaben und erledigt sie – meistens jedenfalls. Man hat eine gewisse Sicherheit. Und dann ist es auf einmal vorbei und man wird ins kalte Wasser geschubst. Na gut, ins lauwarme Wasser und mit Schwimmärmeln ausgestattet. Es ist beängstigend und gleichzeitig unglaublich aufregend. Der Nervenkitzel des Neuen und Unbekannten liegt in der Luft, der Duft nach Träumen und Freiheit.
Doch ist für mich da auch die Angst vor dem Ungewissen, verbunden mit dem Bedauern, dass auch vieles Schönes mit der Schulzeit zu Ende gehen wird. Das ist es, was mich davon abhält den letzten Tag als Schülerin jubelnd und sehnsüchtig zu erwarten.
Ich glaube, am Ende werden die meisten von uns feststellen, dass die Schulzeit doch eigentlich eine schöne Zeit war. Ich habe mir fest vorgenommen die restlichen acht Monate zu genießen und auszukosten, denn eins ist gewiss: Diese Zeit kommt nicht wieder.

Autor: Maril   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 19, 2019
Autor: Maril
Rubrik: orientieren
Nov 19, 2019